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Jede Ressource ist wertvoll

Zero Waste Austria ist ein gemeinnütziger Verein, der sich zum Ziel setzt, nachhaltige und müllfreie Lösungen, Lebensstile und Projekte zu fördern und zu verbreiten. Er bietet interessierten und gleichgesinnten Menschen sowie Unternehmen eine Plattform, um sich auszutauschen und voneinander zu lernen. Im Gespräch mit Obfrau Lorraine Wenzel erfahren wir, warum Müllvermeidung ein Zeitgewinn ist und das tägliche Befassen mit der Frage nach dem, was wir brauchen, zu mehr Lebensqualität führt.

Was ist Zero Waste?

Zero Waste ist eine weltweite Bewegung, die sich damit beschäftigt, wie ein abfallfreies Leben ermöglicht werden kann. Dieser ressourcenschonende Zugang fußt ursprünglich auf den sogenannten fünf Rs: refuse, das Verweigern, reduce, das Reduzieren, reuse, das Wiederverwenden, recycle, das Wiederverwerten, und rot, das Kompostieren. Um den Müll stark zu verringern, sollten wir uns diese 5-R wie eine umgekehrte Pyramide vorstellen. Am wichtigsten ist also die Frage: Geht es auch ohne dieses Produkt, diesen Abfall? Benötige ich diese Dinge wirklich? Dann können wir uns Fragen stellen, wie: Kann ich das noch einmal benutzen? Kann ich das noch einmal in einer anderen Art und Weise verwenden? Und zuletzt: Kann das kompostiert werden?

Für mich geht es bei der Zero-Waste-Bewegung nicht nur um Abfallvermeidung, sondern auch um Themen wie Mobilität, Energie, Landwirtschaft und Finanzen. Es ist ein allumfassender Lebensstil, der auch von einem starken Gemeinschaftsgedanken geprägt ist. Durch regelmäßigen Austausch in sozialen Medien, regionalen Gruppen und überregionalen Events wollen wir uns gegenseitig in den Fragen, die Zero Waste im Alltag aufwirft, unterstützen, uns und andere inspirieren und ein Wir-Gefühl stärken.

Wie können Einzelpersonen müllfrei(er) leben?

Abfallvermeidung ist unter anderem deswegen ein spannender Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz, weil wir durch ihn im alltäglichen Leben schnell konkrete Ergebnisse sehen können. Es ist mess- und riechbar. Zum Einstieg ist eine Müllanalyse hilfreich. Das heißt, sich zu fragen, wo der eigene Abfall anfängt. Da geht es zum Beispiel um Verpackungen von Lebensmitteln sowie von Putz- und Pflegeprodukten.

Wichtig ist klein anzufangen – gleich alles und sofort ändern zu wollen, ist zu viel und überfordert. Vielmehr geht es darum, Alternativen zu finden, die zu einem passen. Mein Tipp: im Badezimmer anfangen und sich dann langsam Zimmer für Zimmer vortasten.

Bei den Recherchen am Anfang ist es hilfreich, sich mit der Community auszutauschen. Dafür gibt es verschiedene Modi: Wir haben eine Bundesweite Facebookgruppe, den Zero Waste Austria Hub Club, und regionale für die Bundesländer. Für direkten Austausch in Person bieten sich die regionalen Stammtische und unsere Grätzltouren an, wo wir zeigen, welche Unternehmen, nachhaltige Geschäfte und Unverpacktläden es in den jeweiligen Bezirken gibt. Unsere Workshops sind eine tolle Gelegenheit sich thematisch zu vertiefen und dabei selbst etwas herzustellen, das hilft, verpackungsfrei und ressourcenschonend durchs Leben zu gehen.

Welche Aha-Momente erleben TeilnehmerInnen in euren Workshops?

Generell sind viele überrascht, dass ein Zero-Waste-Lebensstil gar nicht so zeitintensiv ist, wie gedacht. Dass es einfach ist. Und eigentlich ein Zeitgewinn: Denn auf der Konsumebene lernen wir, dass wir gar nicht so viel brauchen, um zufrieden zu sein. Gleichzeitig schränkt es auch die Auswahl an Marken und Shops ein – auch das ist hilfreich, denn ein Zuviel an Möglichkeiten überfordert uns oft, sodass wir uns schwerer damit tun, uns für etwas zu entscheiden. Wir kennen das vom Einkaufen oder auch vom morgendlichen Blick in den Kleiderschrank. Wenn ich nur zwischen fünf festen Shampoos die Wahl habe, anstatt von gefühlten 100 in Plastikverpackungen, können wir uns schneller festlegen. All diese kleinen Mikroentscheidungen im Alltag werden einfacher, wodurch wir mehr Energie und Fokus für wichtigere Projekte und Entscheidungen haben.

Auf einer systemischen Ebene geben die Workshops auch einen Einblick darin, warum Recycling nicht reicht und Müllvermeidung eine Notwendigkeit ist. Recycling ist an sich eine gute Sache, allerdings können wir bisher nur Stoffe wie Glas und Aluminium gut wiederverwerten – bei Kunststoff wird es problematisch. Deswegen ist es wichtig davor anzusetzen und alles, was in die Tonne kommen könnte, als Ressource zu sehen.

Was hat dich dazu bewegt, deinen Lebensstil nach den Zero-Waste-Prinzipien auszurichten?

Das ist schon ein paar Jahre her, da war die Bewegung noch recht klein. Zunächst wurde mein Bewusstsein durch die vielen Dokumentationen geschaffen, die ich mir angesehen habe. Das hat mich zu einem Umdenken bewegt: Ich wollte und will keinen Anteil daran haben, dass unsere Umwelt für uns und andere zunehmend unbewohnbar wird. Gleichzeitig ist damit das Bedürfnis gewachsen, in meinem kleinen Wirkungsbereich so nachhaltig wie möglich meinen Beitrag zu leisten.

Welchen Herausforderungen bist du in deinem neuen (Zero Waste) Alltag begegnet?

Als ich begonnen habe, mich mit der Thematik auseinanderzusetzen, waren zum Beispiel das Obst und Gemüse eine Challenge. Ich bin zum Hofer gegangen und beim Blick auf die in Plastik verpackten Produkte habe ich mir zuerst gedacht: „Wie soll ich denn je wieder einkaufen gehen können?“ Ich konnte das dann aber mit einem Biokisten-Abo lösen. Auch die Frage, ob ich Shampoo selbst machen soll, hat mich beschäftigt – heute gibt es in gängigen Drogerien feste Shampoos. Ich bin nicht so der Do-It-Yourself-Typ. Daher freut es mich, dass es über die Jahre einfacher geworden ist, diese Dinge – auch unverpackt – kaufen zu können.

So ein Ort sind zum Beispiel die Unverpacktläden „Das Gramm“ und „Das Dekagramm“ in Graz – hier im Interview:

Welche Infrastruktur hast du für diesen Lebensstil angeschafft?

Generell gilt das für jede und jeden, selbst herauszufinden, was im eigenen Alltag hilft. Ein paar kleine Helferlein, von denen ich glaube, dass sie für viele sehr nützlich sein können, sind zum Beispiel Seifensäcken für Seifenreste oder kleine Stoffbeutel für den unverpackten Einkauf. Notfalls kann man die auch aus alten Stoffen selber nähen. Denn Gläser eignen sich dafür nicht ganz so gut – sie sind schwer und können brechen. Fast ein Must für die Küche sind Bienenwachstücher. Es geht nicht darum, für den neuen Lebensstil alles neu zu kaufen – auch die alte Plastikdose kann zum Aufbewahren von Lebensmitteln herhalten bis sie auseinanderfällt. Es geht darum, jede bereits vorhandene Ressource zu schätzen und zu nutzen. Eines meiner Highlights ist die Wurmkiste zum Kompostieren des Biomülls in der Wohnung: Sie zeigt, wie man Dinge im Kleinen auch wieder in den Kreislauf zurückführen kann.

Wie Zero Waste im Familienalltag funktioniert zeigt Österreichs erste Zero Waste Family Challenge im Auftrag von MUTTER ERDE:

Was sagst du Menschen, die Sorge davor haben, dass ein nachhaltiger, reduzierter oder gar minimalistischer Lebensstil Verzicht bedeuten könnte?

Es ist wichtig, Dinge einfach ausprobieren, sich rantrauen und sich dabei nicht selbst zu überfordern – es muss nicht alles funktionieren. Jeder Schritt ist zählt. Und das letztendlich nicht nur im eigenen Wirkungsbereich, denn wenn jeder für sich exploriert, was möglich ist, dann ist das kein Verzicht, sondern ein Zugewinn gesamtgesellschaftlich und alle Generationen, die nach uns kommen.

Wie sollte sich deiner Meinung nach unser Bezug zu Lebensmitteln, Abfall und Konsum verändern? Welche Fragen sollten wir uns in der Entwicklung dorthin stellen?

Die zentrale Frage vor jedem Kauf ist für mich: Brauche ich das wirklich?
Was wir (wieder) lernen müssen: Alles, was wir nutzen, ist eine Ressource. Alles, was wir nutzen, ist wertvoll. Insbesondere bei Lebensmitteln haben wir komplett den Bezug dazu verloren. Wer hat ein Gefühl dafür, wieviel Wasser, Boden, Energie, Arbeitskraft, etc. nötig sind, um zum Beispiel ein Laib Brot herzustellen? Wir sollten auch wieder lernen, dass es nicht selbstverständlich ist, dass alles ewig und immer verfügbar ist. Gerade auch wegen der Endlichkeit vieler Ressourcen ist es wichtig zu lernen, in Kreisläufen zu denken und unser Zusammenleben und –wirtschaften danach auszurichten.

 

Als Sinnfluencerin beschäftigt sich Lorraine Wenzel auch auf ihrem Blog namens Tagessuppe und ihrem Instagram-Kanal mit einem ressourcenschonenden Leben und zeigt mit Tipps und Tricks, wie Zero Waste im Alltag funktioniert. Auf dem Youtube-Channel von Zero Waste Austria finden Sie zudem vertiefende Webinare zu Themen wie Zero Waste in der Küche geht, „FairReisen – nachhaltig Reisen leicht gemacht“, Fairer Mode, „Durch den Siegeldschungel“ und „Regionale Landwirtschaft in den unverpackten Handel

 

Foto: Xaver Wienerroither für Zero Waste Austria

 

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