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Von Oma und Opa lernen

In den Generationencafés der Vollpension gibt es den besten Kuchen – ganz nach dem Rezept von Oma und Opa. Denn genau die bereiten die köstlichen Mehlspeisen liebevoll vor Ort zu. Mit diesem Konzept bietet das Sozialunternehmen Lösungsansätze für die Herausforderungen Altersarmut, Isolation und die wachsende Generationenkluft in Wien.

Reges Treiben im großzügigen Schanigarten vor der Schleifmühlgasse 16 im vierten Bezirk. Heute lassen wir uns von den Omas und Opas im Generationencafé Vollpension verwöhnen. Das Wiener Sozialunternehmen hat es sich zur Aufgabe gemacht, SeniorInnen in die Mitte der Gesellschaft und mit anderen Generationen zusammenzubringen. Die Stars der Vollpension sind dabei immer die „Omas und Opas“. Denn das ausgesprochene Ziel der Vollpension ist es, Altersarmut und Vereinsamung von älteren Menschen zu bekämpfen und Orte für mehr Generationenmiteinander zu schaffen. Zum einen geschieht das in den Vollpension-Generationencafés in Wien, wo die Omas und Opas die besten Mehlspeisen nach ihren alten Familienrezepten für Gäste aus aller Welt backen und servieren. Das Team besteht dabei zur Hälfte aus älteren Menschen, die sich zur oft zu geringen Pension etwas dazuverdienen und in ein soziales Netz eingebettet werden.

Beim Öffnen der Türe weht uns sanft der Duft von köstlich riechenden, frisch gebackenen Mehlspeisen entgegen. Oma war also schon am Werk, mjam! Wir treten ein und werden von einem bunten Sammelsurium an unterschiedlichen Möbeln, Bildern und Kitsch herzlich willkommen geheißen. Diese gemütlich-schrullige Wohnzimmer-Atmosphäre gibt es auch am zweiten Standort in der MUK, der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien in der Johannesgasse im ersten Bezirk, sowie in den Kiosken, wo es Omas Kuchen und Buchteln zum Mitnehmen gibt. Angefangen hat die Vollpension 2012 jedoch als Pop-up im damaligen „Hosenlabor“ der Ideengeber Mike Lanner und Moriz Piffl-Percevic, damals auch bekannt als Sozialunternehmer hinter dem ökofairen Maßjeans-Label „Gebrüder Stitch“. 2014 ging Oma in einem alten VW-Bus samt Anhänger quer durch Österreich on Tour, bis sie 2015 in der Schleifmühlgasse ihr erstes Lokal eröffnete.

Zum Frühstück lassen wir uns von einem der „Oma-Care-Pakete“ versorgen. Wir haben Zeit und entscheiden uns für den „Erbschleicher für 2“. Passende Heiß- und Kaltgetränke gibt es, so viel wir wollen. Mit diesem Preismodell hat das charmante Café aus der Not in der Pandemie eine Tugend gemacht. Zunächst ging es darum, auf die Auf lagen für die Gastronomie zu reagieren. Denn durch sie durfte das Generationencafé 2020 den Gästen bloß die Hälfte der vorhandenen Plätze anbieten. Die Idee zur „Halbpension“ entstand: Bezahlt wurde pro Verweildauer im Kaffeehaus. Für den Fixpreis von 9,90 Euro gab es ein Stück Kuchen von der Oma und so viel Kaffee, Tee und Hauslimonade, wie man trinken wollte – eine Flatrate sozusagen. In der zweiten Stunde bestand die Möglichkeit, anstatt eines zweiten Stücks Kuchen ein Schnittlauchbrot zu bestellen. Für diejenigen, die es eilig hatten, gab es den „Halbpensionsquickie“ mit zwei Getränken nach Wahl. Das Modell haben die GründerInnen zu den heutigen „Oma-Care-Paketen“ weiterentwickelt.

Ende 2020 haben die Vollpension-Omas und -Opas angefangen, Online-Backunterricht in der „BackAdemie“ zu geben. „Unsere Online-BackAdemie zu Beginn der Pandemie zu machen war wichtig, um unser Generationenmodell und die finanzielle Unterstützung unserer SeniorInnen und Jungen trotz aller Herausforderungen sicherzustellen“, sagt Moriz Piffl-Percevic, einer der Vollpension-GründerInnen. Seit April 2021 sind mit dem globalen Pendant „Bake Against Poverty“ auch SeniorInnen weltweit dazu eingeladen, ganz ortsunabhängig ein Teil der Vollpension zu werden. Nach über 100 Kursen und mehr als 700 TeilnehmerInnen erweiterte die Vollpension im heurigen Frühjahr das Angebot auch in die Offline-Welt. In einem Backstudio, das „jedes Lebkuchenherz höher schlagen“ lässt, werden die TeilnehmerInnen im Einzelunterricht oder in der Gruppe von „Küchengrünschnäbeln“ zu „BackademikerInnen“.

Generell zeigt sich das Sozialunternehmen mit seinen Kampagnen und Angeboten sehr erfinderisch. In diesem Juni hat sich das „Oma Innovation Lab“ eine ganz besondere Sommerleckerei ausgedacht: mit selbst produziertem Powidl-Eis gefüllte Eisbuchteln-to-go (gibt es noch den ganzen September!). Neben den lukullischen Genüssen kommt auch das Soziale nicht zu kurz. So backen in dem im Juni wiedereröffneten Standort im MUK sechs ukrainische SeniorInnen nach ihren Familienrezepten. Bei der Wiedereröffnung der Schleifmühlgasse im März wurde die Vollpension zur smartphonefreien Zone – wer sein Mobiltelefon abgab, erhielt dafür einen Rabatt von 10 Prozent. Denn auch die persönlichen Geschichten der Omas und Opas auf der Website und auf dem YouTube-Kanal zu Themen wie Frausein oder Liebe zeigen, dass es bei einem Besuch in der Vollpension immer um eine Begegnung mit anderen Menschen und das Voneinander-Lernen der Generationen geht.

Bei unserem „120 Min“-Paket gibt es zum Abschluss ein Stamperl Eierlikör und ein Glas Omasprudel (alternativ: frisch gepressten Orangensaft). Damit stoßen wir jetzt an: „Prost, auf die Omas, Opas und die Jungspunde der Vollpension!“

 

„Alles, was wir tun, widmet sich dem Zusammengehörigkeitsgefühl und der Verbindung der Generationen. Weil wir davon überzeugt sind, dass Generationensolidarität im Kleinen das Fundament für alles ist, was sich im Großen zum Besseren verändern muss.“ Moriz Piffl-Percevic, Gesellschafter und Ideengeber des Sozialunternehmens, im Interview.

 

Foto: Mark Glassner

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