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Ein Stück Familien- und Lebensgeschichte

In den Generationencafés der Vollpension gibt es den besten Kuchen – ganz nach dem Rezept von Oma und Opa. Denn genau die bereiten die köstlichen Mehlspeisen liebevoll vor Ort zu. Inwiefern dieses Konzept Lösungsansätze für die Herausforderungen Altersarmut, Isolation und die wachsende Generationenkluft in Wien bietet, erzählt Moriz Piffl-Percevic, Gesellschafter und Ideengeber des Sozialunternehmens, im Interview.

Was macht Omas Kuchen zum besten Kuchen?

Wenn Omas backen, bäckt die Liebe immer mit. Jede Oma war ja irgendwann auch einmal ein Kind und hat von der eigenen Mama oder Oma gelernt, wie der beste Kuchen geht. Das ist es eben: Ein Stück Kuchen von der Oma ist immer auch ein Stück Familien- und Lebensgeschichte – Oma-Kuchen sind die besten, nicht nur, weil sie so gut sind, sondern weil sie ein Kulturgut sind: Liebesbrieferl zwischen den Generationen, die man essen kann :-)

Wie bringt ihr mit Süßem Alt und Jung zusammen? Warum ist das so wichtig?

Was sind denn die Szenen unseres Lebens, die wir mit Geborgenheit verbinden? Da spielen Omas und Opas oft die Hauptrollen, oder? Kaffee und Kuchen bei den Großeltern, alle, Alt und Jung, im Wohnzimmer versammelt: Wo zusammen ist, wer zusammengehört, kommt die Seele nachhause. Dieses Gefühl von miteinander Füreinander ist leider vielerorts verlorengegangen – in der Vollpension geben wir der Süße des Lebens wieder Raum und Zeit. Alles, was wir tun, widmet sich dem Zusammengehörigkeitsgefühl und der Verbindung der Generationen. Weil wir davon überzeugt sind, dass Generationensolidarität im Kleinen das Fundament für alles ist, was sich im Großen zum Besseren verändern muss.

Wo hapert es oft im Dialog unter den Generationen?

Großes Thema – vermutlich DAS Thema unserer Gesellschaft in Zukunft. Weil wir glauben: Klima, Krisen, Katastrophen, die schwierigen Herausforderungen, die wir zu lösen haben, wurzeln alle auch in der brüchigen Generationensolidarität. In einer Welt, die seit Jahrzehnten von zu viel, zu schnell, zu laut geprägt ist, haben wir alle ein Stück weit den Kontakt zu uns selbst verloren – und damit zu anderen. So sind auch die Trennlinien zwischen den Generationen stärker geworden und die Verbindungslinien schwächer, diese Fragmentierung höhlt den Zusammenhalt aus. Nur eine Zahl: In Österreich, der sechzehnt reichsten Nation der Welt, sind 233.000 Menschen über 65 Jahren von Armut und Ausgrenzung im Alter betroffen – so viele waren es vor der Teuerungsexplosion. Am Phänomen „alt, arm und allein“ lässt sich ablesen, dass die Statik innerhalb unserer Gesellschaft nicht mehr stimmt. Unser Umgang damit ist weder Ursachenforschung in der Vergangenheit, noch Wegschauen. Wir entwickeln sozialkreative und alltagstaugliche Lösungen, wie wieder zusammenkommen kann, was zusammengehört – Alt und Jung, alle Generationen von heute miteinander für die Generationen von morgen.

Die Vollpension leistet unter anderem dadurch einen Beitrag zum Generationendialog, indem sie den Omas und Opas eine Plattform dazu gibt, etwas aus ihrem Leben zu erzählen. Was können jüngere Generationen von ihnen lernen?

Richtig: Mit den Möglichkeiten, die wir haben, geben wir älteren Menschen eine öffentliche Stimme. Denn es ist gerade in Zeiten wie diesen immens wichtig, dass sie gehört werden und aktiv an Veränderungsprozessen mitgestalten können. Ältere Menschen haben nämlich etwas, was man nicht lernen, sondern nur erwerben kann: Die Erfahrung des gelebten Lebens, Weisheit, Augenmaß und damit einen anderen Blick auf die Dinge. Jede Lebensphase ermöglicht andere Perspektiven – deshalb führen gute Lösungen immer über den Generationendialog, es ist auf gesellschaftlicher Ebene nichts anderes, wie in einer intakten Familie…

Wie sollte sich deiner Meinung nach unsere Haltung gegenüber und unser Bezug zu anderen Generationen verändern? Welche Fragen sollten wir uns in der Entwicklung dorthin stellen?

Du sagst es schon: Die Haltung verändert den Bezug. Was ist denn die vielzitierte Fragmentierung der Gesellschaft? Wenn wir uns in den engen Echokammern der eigenen Alterskohorten gegenseitig die Welt erklären, die Probleme und wer dafür verantwortlich ist  – nämlich wir selbst einmal sicher nicht. Das geht an die Adresse jeder Altersgruppe, Kinder ausgenommen. Das zu durchschauen ist ein erster wesentlicher Schritt. Sobald wir über unsere eigene Jahrgangs-Bubble hinausdenken, mit Jüngeren und Älteren in Kontakt gehen und uns deren Sichtweisen öffnen, erweitert sich unser Verständnis der Welt: Weder hat sie mit uns begonnen, noch hört sie mit uns auf – wir sind ja alle nur eine Momentaufnahme in einem Verlauf, den wir mitbeeinflussen und mitgestalten können – dürfen! Und die Fragen, die wir uns stellen können: WIE will ich das tun? Was soll bleiben? Welche Geschichte sollen die nachkommenden Generationen erzählen? Welche Welt sollen sie vorfinden? Große Fragen, klar. Aber die besten, wenn wir so etwas wie den Sinn des Lebens finden wollen.

Wie können wir im Alltag den Dialog zwischen den Generationen fördern?

Wir in der Vollpension versuchen das nicht über Problem-, sondern über Lösungsorientierung: Gegen das Generationengfrett, aber auf nett. Auch wenn Themen wie Altersarmut und Ausgrenzung ernst sind, setzen wir auf sozialkreative Elemente, auf Humor und Leichtigkeit, weil das die Begegnung von Alt und Jung, den Generationendialog barrierefreier macht. Das ist überall, wo Vollpension draufsteht auch drin. 

 

Das Generationencafé „Vollpension“ empfängt seit 2015 jährlich über 200.000 Gäste aus der ganzen Welt an seinen beiden Standorten in Wien. In dem Sozialunternehmen werden insgesamt 80 MitarbeiterInnen beschäftigt, wovon mehr als die Hälfte über sechzig Jahre alt ist, allein lebt und/oder von Altersarmut betroffen ist. Die „Vollpension BackAdemie“ entstand im März 2020, als die Türen der Gastronomie geschlossen bleiben mussten. Diese digitale Erweiterung dem österreichischen Unternehmen durch die Krise.

Autor: Moriz Piffl-Percevic
Foto: Mark Glassner

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