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Nachhaltigkeit ist ökonomischer

Ökologie schreibt das Gärtnerteam der GESIBA groß und ist stets auf der Suche nach umweltschonenden und durchdachten Methoden, um im Einklang mit der Natur zu arbeiten. Was dieser Zugang zur Nachhaltigkeit im Berufsalltag bedeutet, warum er ökonomischer ist und von welchen Vorstellungen wir ablassen sollten, erzählt Johann Gangl, Leiter der Gärtner-Gruppe, im Interview.

Herr Gangl, Nachhaltigkeit wird von immer mehr Privatpersonen und Unternehmen als zentrales Thema unserer Gegenwart mit großem Bedarf an Zukunftsstrategien identifiziert. Was hat Sie dazu gebracht, sich tiefgründig damit auseinanderzusetzen?

Zum einen bin ich als Gärtner tagtäglich von Natur umgeben und kann hautnah beobachten, wie sie sich verändert und welchen Einfluss unsere Gestaltung auf sie hat. Zum anderen wurde mein achtsamer Blick bereits von frühen Kindheitstagen an geschult: Ich bin im Burgenland aufgewachsen, und dort war es schon sehr früh üblich, sorgsam mit der Natur umzugehen. Ich befasse mich sicher schon gute 30 Jahre mit dem Thema Nachhaltigkeit und besuche auch privat gerne Veranstaltungen in diesem Bereich, zum Beispiel die Illmitzer Gespräche.

Was hat Sie in diesen 30 Jahren besonders beeindruckt?

Die Erkenntnis, dass Nachhaltigkeit nicht nur eine ökologisch, sondern auch eine ökonomisch sinnvolle Strategie ist: Es rechnet sich bereits bei den vermeintlich kleinen Dingen im Alltag. Wenn wir an Grünflächen denken, haben viele einen grünen englischen Rasen vor Augen. Doch der ist in unseren Breiten gar nicht typisch, vielmehr sind es Bauerngärten, die hier natürlich vorkommen würden. Wenn wir uns darauf besinnen, welche Landschaftsform die hier heimische ist, dann haben wir es auch mit der Pflege einfacher. Hundertwasser und Gaudi haben uns bereits gezeigt, dass ein Zurück zur Natur auch weniger Betreuungsaufwand bedeutet.
Kurz am Rande: Wir pflegen auch die Grünflächen vom Hundertwasserhaus. Mit mehr als 200 Bäumen und Sträuchern ist das Gebäude üppig bewachsen. Und wir können auch heute sehen, dass das Konzept von dem satten, artenreichen Grün auf den Dachterrassen zur Förderung der Gemeinschaft aufgegangen ist. Sie sind ganz besondere Begegnungsräume.
Nachhaltigkeit rechnet sich aber auch im Großen – wir setzen nur meistens zu früh den Strich unter die Rechnung. Oft sehen wir uns allein die Produktionskosten eines Produktes an. Nachhaltig zu produzieren kann bis zu diesem Punkt vergleichsweise teurer ausfallen. Eine ganzheitliche Betrachtungsweise bezieht jedoch auch die langfristigen Kosten mit ein, zum Beispiel die Instandhaltung und die Entsorgung. Spätestens zu diesem Zeitpunkt lohnt sich die Entscheidung für die nachhaltige Option.

Welche Beispiele aus Ihrem Berufsalltag zeigen, dass Nachhaltigkeit letztendlich auch eine wirtschaftliche Strategie ist?

Das fängt bei der Wahl der Pflanzen an. Zum Beispiel bei den Hecken. Auch hier bewegen wir uns weg von einer Monokultur hin zu einer vielfältigeren Bepflanzung. Denn gemischte Blütenhecken beugen auch gleich Schädlingen vor. Diese Blütenhecke braucht zwar etwas mehr Platz, muss aber nur einmal im Jahr geschnitten werden.
Und da kommen wir auch schon zum Thema Baum- und Heckenschnitt. Kein Baum will geschnitten werden. Es gibt ein paar Ausnahmen wie Obstbäume oder der sogenannte „Erziehungsschnitt“ in der Jugend der Pflanze. Wir schneiden nur so viel wie notwendig. Dabei lassen wir auch – sofern möglich – das Totholz auf dem Baum. Denn das hat als Futter und als Kinderstube für Insekten eine wichtige Funktion.

Geht es also auch viel um „die Natur sein lassen“?

Ich würde sagen: „Die Natur machen lassen.“ Laub, das von den Bäumen auf Gehwege fällt, entfernen wir von diesen, weil das ein Sicherheitsrisiko darstellt jemand könnte darauf ausrutschen. Auf offenem Boden wie zum Beispiel in Strauchflächen wird dieses Laub jedoch zu wertvollem Humus. Hie und da kippen wir sogar etwas Laub dazu – und schon ziehen ein bis zwei Igel in den Laubhaufen ein.
Viele Menschen erfreuen sich an den Tieren in der Stadt. Jedoch ist vielen nicht bewusst, dass deren Lebensräume immer knapper werden. Damit der kleine stachelige Terrassenbesucher insbesondere im Winter einen Unterschlupf hat, ist diese Art der Nutzung im urbanen Raum ein ausschlaggebender Faktor. Wir sprechen hier unter anderem von extensiv genutzten Grünflachen, sogenannten „Ökoflächen“.

Was sind Ökoflächen?

Das sind Grünflächen, bei denen wir von einer intensiven auf eine extensive Nutzung umgestellt haben. Konkret heißt das, dass diese Wiesen nur noch ein- bis maximal dreimal im Jahr gemäht werden. Sie werden dadurch zu artenreichen und bunten Lebensräumen, die eine große Bedeutung für die biologische Vielfalt haben. In solchen Wiesen wachsen zahlreiche unterschiedliche Beikräuter. Das zieht verschiedene nützliche Insekten an, die wiederum eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel sind. Gleichzeitig wird durch solche Ökoflächen die Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner gesteigert. (Lesen Sie in unserem FAIRliving-Artikel über Minimalismus die positive Wirkung von Waldbaden auf unseren Körper nach.) Diese Methode wenden wir an immer mehr Standorten an, zum Beispiel im Wohnpark Alt Erlaa, in der Biotope City am Wienerberg, am Gründach der Leopold-Ernst-Gasse, in der Heiligenstädter Straße 131, in der Straßergasse 43 und auf Teilen vom Wienerberg, in der Otto-Probst-Straße 3 und 5.

Welche weiteren Maßnahmen haben Sie und Ihr Team gesetzt, um die Grünflächen umweltschonend zu bewirtschaften?

Da gibt es einige! Wir kaufen und verarbeiten zum Beispiel so viel torffreie Erdewie möglich. Unkraut bekämpfen wir nur noch mechanisch, es kommt keine Chemie zum Einsatz. Genauso praktizieren wir das auch bei tierischen Schädlingen: Die werden mit Nützlingen bekämpft, zum Beispiel mit Marienkäfern gegen Blattläuse oder mit Nematoden – das sind Fadenwürmer – gegen Schnecken.
So wie wir dort, wo es möglich ist, Tot holz und Laub nicht entsorgen, lassen wir auch Früchte wie Nüsse, Kastanien und Beeren auf den Wiesen liegen. Während Totholz und Laub Schutz und Lebensraum für Tiere wie Insekten, Vögel und Igel sind, ist das Fallobst für diese Tiere eine wichtige Nahrungsquelle. Im Wohnpark Alterlaa hat sich so beispielsweise die Eichkätzchenpopulation in den letzten 10 Jahren verdoppelt. Hier haben wir auch einige Igel und Füchse.
Auch mit dem Thema Wasser haben wir uns eingehend auseinandergesetzt. Zum einen wählen wir bei neuen Pflanzen vorzugsweise nur noch solche aus, die Trockenheit gut vertragen, also auch einen vergleichsweise geringeren Wasserbedarf haben, andererseits haben wir gleichzeitig die Menge an Wasser, die wir fürs Gießen verwenden, reduziert. Wir gießen so viel, dass die Pflanze gerade gut überleben kann – mehr ist auch nicht notwendig. So haben wir den Wasserverbrauch um circa ein Drittel verringert.
Ein Projekt, das wir in der Zukunft wieder aufgreifen wollen, ist das Kompostieren. Hier tendieren wir momentan zu einem geschlossenen, nur für die Mieterinnen und Mieter zugänglichen System. Denn es braucht hier Bewusstseinsbildung dafür, was denn wie in welcher Menge kompostierbar ist.

Wie nehmen Sie das Interesse der MieterInnen an solchen Projekten wahr?

Generell merken wir ein steigendes Interesse daran, mitzumachen. In Alterlaa wurde zum Beispiel eine Basketballspielfläche auf Initiative eines Mieters umgestaltet und nun stehen dort 12 Hochbeete, die emsig bewirtschaftet werden. Nach und nach sind auch kleine Wiesenflächen dazugekommen, um Kürbisse anzupflanzen. Ich bin mir sicher, dass wir schnell AbnehmerInnen für 12 weitere Hochbeete finden würden und wir denken in der Tat über eine Erweiterung der Fläche nach.
Auch Bienenstöcke stehen als Idee im Raum – allerdings gilt es hier sorgsam abzuwägen, wo diese aufgestellt werden, damit sowohl die BewohnerInnen als auch die Bienen einen sicheren Wohn- und Lebensraum haben. Die Vorstellung von einem lokal produzierten Alterlaa- beziehungsweise Gesiba-Honig gefällt mir jedenfalls gut.

Ich denke, dass das die Identifikation mit dem eigenen Wohnort erhöht.

Jede Beteiligungsmaßnahme kann dazu beitragen, sich mit dem Wohnort verbundener zu fühlen. MieterInnen wollen miteinbezogen werden. Sie wollen in die Entscheidungsfindung eingebunden werden. Und Prozesse durch transparente Kommunikation nachvollziehen können. Das ist wichtig für die Identifizierung mit dem eigenen Wohnort.
Das ist natürlich ebenso ein Anreiz für uns, die MieterInnen zu überzeugen, dass wir in ihrem Sinn handeln. Dadurch entstehen Vertrauen und Bindung. Und das wiederum äußert sich in Dingen wie einem achtsameren Umgang mit den Wohnanlagen und in einer erhöhten Zufriedenheit der Kundinnen und Kunden.

Das führt uns zu einem Punkt, den Sie bereits im Zusammenhang mit dem Kompost-Projekt erwähnt haben, zurück: der Bewusstseinsbildung. Warum ist die so wichtig?

Beim Kompost geht es zum Beispiel um Speisereste: Ein wenig ist möglich. Aber selbst da ist es wichtig, dass die gleich abgedeckt und gekalkt werden. Zu viele Speisereste würde bedeuten, dass diese verfaulen und nicht kompostieren. Das würde einerseits zu einer Geruchsbelästigung werden, und andererseits könnte das Ratten anlocken – und das wollen wir tunlichst vermeiden. Deswegen braucht es hier eine Ansprechperson, die sich darum kümmert und diese wichtigen Informationen vermittelt. Bewusstseinsbildende Maßnahmen sind allerdings auch bei den anderen Projekten, die ich erwähnt habe, wichtig. Zum Beispiel wissen viele nicht, dass Ökoflächen auch wesentlich besser als Blumenwiesen zur Artenvielfalt beitragen. Blumenwiesen funktionieren ein bis zwei Jahre, da die meisten Blumen nicht mehrjährig sind.
Wenn jemand an unseren Ökoflächen vorbeigeht, womöglich die Erwartungshaltung von einem englischen Rasen hat und nicht weiß, was die Ökofläche ist und warum sie so ist, könnte die Person meinen, dass der Rasen „ungepflegt“ ist und gemäht gehört. Hier helfen in die Wiese gesteckte Schilder, die das locker und zugänglich aufbereitet erklären. Welche die zahlreichen Pflanzen vorstellen, die dort wachsen. Und die vielen Insekten, die deswegen dort leben.
Das führt uns zu einem weiteren Punkt: der Kommunikation. Es ist wichtig, alle Vor- und Nachteile von einer ökologischen Bewirtschaftung im Wohnumfeld den bestehenden und den zukünftigen MieterInnen zu kommunizieren. Zum Beispiel achten wir alle bei der Wohnungswahl eher auf Kriterien wie die Verkehrsanbindung, den potentiellen Schulweg fürs Kind, den Ausblick und die umliegenden Naherholungsgebiete. Es ist jedoch ebenso hilfreich sich vor Augen zu führen, dass wenn die angrenzende Grünfläche als Ökofläche genutzt wird, regelmäßig Samen auf meinen Rasen kommen werden und für mich die Pflege eines englischen Rasens daher nicht möglich sein wird. Da geht es letztendlich darum, gutes Erwartungshaltungsmanagement zu betreiben.
Der letzte Schritt ist das plakative Veranschaulichen. Bewusstseinsbildung funktioniert dann besonders gut, wenn die Inhalte erlebbar gemacht werden. Wenn ich den Nutzen einer Ökofläche erklären möchte, dann stelle ich mich gerne mit der fragenden Person vor eine normal genutzte Wiese. Die beobachten wir kurz und zählen die Insekten. Danach machen wir dasselbe nochmal vor einer Ökofläche – da kommt man mit dem Zählen gar nicht nach!
Kurzum geht es also darum, vor Ort verständlich zu informieren, klar zu kommunizieren und regelmäßig den Mehrwert anschaulich vorzuzeigen, ihn erlebbar zu machen. Dann ist auch der Beweis mit nackten Zahlen einfacher. Letztendlich holt all das die MieterInnen mit ins Boot.

Von welchen weiteren Vorstellungen wie der vom „englischen Rasen“ sollten wir Ihrer Meinung nach ablassen, um realistischere Erwartungshaltungen zu hegen und ökologischer handeln zu können?

Wir sollten unser Sensorium für die regionale Ökologie schärfen. Dabei denke ich an Kaufentscheidungen wie die Wahl der Pflanzensorten – einheimisch ist bodenständiger und nachhaltiger. Es ist am Ende eine Haltungssache. Wir leben in einer Region, wo es Jahreszeiten gibt, und die darf man auch ruhig an den Grünflächen erkennen. Das heißt, es als normal anzuerkennen, dass die Wiese im Sommer für ein paar Wochen braun ist. Sie schläft. Nach dem Regen regeneriert sie sich wieder – und schon ist sie wieder grün.


Foto: Marilen Hennebach

 

Für Johann Gangl – genauso wie für uns als Gesiba – ist in der jetzigen Phase die Bewusstseinsbildung das Herzstück unserer Nachhaltigkeitsstrategie. Wir müssen den BewohnerInnen vermitteln, dass die Entscheidung zum nachhaltigen Handeln die richtige ist.

Wenn Sie sich weiter mit dem Thema Nachhaltigkeit befassen wollen, empfehlen wir Ihnen den YouTube-Kanal der Illmitzer Gespräche:

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