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Gemeinsam (online) lernen

Auf talentify.me können SchülerInnen gemeinsamen lernen. Auf dieser mobilen Onlineplattform können sie ihre Talente, spannende Perspektiven und die besten Tipps und Tricks für den Schulalltag sowie potentielle Lehrstellen und Berufsbilder einholen. Wie talentify.me dazu beiträgt, dass alle jungen Menschen ihr volles Potenzial entfalten und ein höchstmögliches Bildungsniveau erreichen können, unabhängig von Herkunft, sozialer Lage und finanziellem Hintergrund, erfahren wir im Interview mit dem Gründer Bernhard Hofer.

 

Warum ist talentify.me eine sinnvolle Alternative zur klassischen Nachhilfe?

SchülerInnen ab 14 Jahren können auf unserer mobilen Onlineplattform Lernhilfe anbieten und angeben wann sie Zeit haben. Durch das Lernen mit jüngeren oder gleichaltrigen SchülerInnen vertiefen sie den Stoff, stärken ihre Sozialkompetenz und übernehmen Verantwortung. SchülerInnen, die Unterstützung beim Lernen benötigen (beziehungsweise deren Eltern) können sich ebenfalls auf talentify.me anmelden und über die Plattform Kontakt mit den „Lernhilfebuddies“ aufnehmen. Der Vorteil beim gemeinsamen Lernen von SchülerInnen ist, dass dies aufgrund der gleichen Lebensrealität und Sprache auf Augenhöhe passiert. Jüngere SchülerInnen erhalten leistbare Lernhilfe, sowie oftmals neue Perspektiven und ein Vorbild.

Inwiefern hilft talentify.me die individuellen Talente und Chancen junger Menschen zu fördern, unabhängig von der sozialen und finanziellen Situation der Eltern?

Für sehr viele Familien stellt Nachhilfe eine große finanzielle Belastung dar, manche können sich diese Unterstützung für ihre Kinder gar nicht mehr leisten. talentify.me ist neben den sozialen positiven Effekten, die das Peer-to-Peer Lernen mit sich bringt, auch eine kostenlose beziehungsweise leistbare Alternative. Damit sind wir in der Lage, eine Lücke im Bildungsbereich schließen zu können.

Du betonst gerne, dass ihr in eurer Arbeit und eurem Angebot der Fokus auf den Jugendlichen legt. Inwiefern bindet ihr sie in eure Produktentwicklungs- und Entscheidungsprozesse ein beziehungsweise wie beteiligt ihr sie?

Ich lege darauf wert, das hervorzuheben, weil mir regelmäßig auffällt, dass in den Bildungsdebatten diejenigen, um die es letztendlich geht, untergehen. Das sind die SchülerInnen und Jugendlichen. Sie haben in all diesen Diskussionen sehr wenig mitzureden. Die Frage ist also: Wie können wir SchülerInnen und Jugendliche darin inkludieren? Bei talentify geht es darum, miteinander und voneinander zu lernen. Dabei ist Schule ein wichtiges, aber nicht das einzige Thema, das die Jugendlichen begleitet. Das fängt zum Beispiel bei Fragen wie „Wie finanziere ich mir mein Leben?“ oder „Wie haushalte ich mit Geld?“ an. Peer-to-Peer Lernen wird der Kern talentifys bleiben. Gleichzeitig ist es wichtig, die Jugendlichen in ihrer gesamten Lebenswelt abzuholen und sie auf ihrem Weg zu begleiten und zu bestärken, wie sie sich eine sinnvolle und nachhaltige Zukunft gestalten können.

Und wie inkludiert ihr die Jugendlichen?

Wir haben von Anfang an SchülerInnen in unsere Gedanken miteinbezogen. Bei der Entwicklung der App haben wir mit zwei bis drei Partnerschulen kooperiert. Das war damals aber eher sporadisch, zu Meilensteinen. Heute sind Jugendliche ein essentieller Bestandteil unseres Teams. So arbeiten ein paar der ehemaligen Lernhilfebuddies jetzt geringfügig neben Ihrem Studium bei uns. Sogenannte „Talenteers“ bringen sich auch ein: Zum Beispiel haben uns HAK-SchülerInnen dabei unterstützt, Lehrbetriebe zu beraten, wie diese in den sozialen Medien zielgruppengerechter kommunizieren können. Denn wer in derselben Sprache wie die SchülerInnen spricht und ihre Lebenswelt versteht, kann die eigene Botschaft besser vermitteln und potentielle Lehrlinge besser erreichen.

Wir gehen sogar so weit zu sagen, dass wir in Zukunft keine Entscheidung mehr treffen wollen, ohne dass Jugendliche im Prozess involviert sind. Auf der einen Seite bedeutet das, dass wir unser Handeln immer wieder darauf überprüfen müssen, ob wir den Jugendlichen auch tatsächlich genügend Raum zum Gestalten geben. Zur Veranschaulichung ein Beispiel: Wir wollen einen Podcast machen und darin Jugendliche zu Wort kommen lassen. Eine junge Mitarbeiterin hat das Setting jedoch hinterfragt, ob das weit genug ginge und hat vorgeschlagen, dass die Jugendlichen den Podcast ebenso selbst produzieren und die Themen setzen sollen. Und so setzen wir das jetzt auch um. Auf der anderen Seite ist es wichtig, die Jugendlichen dazu anzuhalten, dass sie wirklich das sagen sollen, was sie sich denken und nicht das, was sie denken, dass ein Startup hören will. Wir wollen ihnen vermitteln, dass wir ihr unangepasstes Denken schätzen.

Dieses Anpassen gibt es genauso in der Berufsorientierung mit klar vorgezeichneten Karrierepfaden. Mit talentify.works bietet ihr Unternehmen die Möglichkeit junge Talente zu finden. Sind bei dieser Vermittlungsplattform lineare Lebensläufe gefragt? Beziehungsweise, auf die Jugendlichen fokussierend: Überprüft ihr die Unternehmen auf ihre Bereitschaft, den Jugendlichen einen ähnlichen Entfaltungsspielraum zu geben, wie ihr ihn pflegt?

Ich werde immer wieder zu Berufsorientierungsveranstaltungen als Keynotespeaker eingeladen. In diesen Reden zeichne ich dann gerne das Bild vom Güterbahnhof. Eltern erzählen ihren Kindern, dass wenn sie auf dieser einen Schiene fahren, dann werden sie eine gute Zukunft haben. Zum Beispiel die Schiene „Bank-Karriere“ oder „Karriere im Versicherungswesen“. Ich denke aber vielmehr, dass Kinder Raketen sind. Wir wissen eigentlich gar nicht, was die Zukunft bringt. Sie ist nicht vorbestimmt. Der Möglichkeitsraum und die Komplexität sind so groß, dass wir nicht abschätzen können, was es in fünf bis zehn Jahren für Berufe geben wird. Wir gehen jedoch 12 bis 13 Jahre zur Schule. Da ist es sinnlos am Anfang des Schulbildungsweges bestimmte Karriereversprechungen machen. Denn wir können sie nicht halten. Meiner Meinung nach sind solche von klein auf klar vorgegebenen, lineare Karrierepfade das Schlimmste, was man machen kann. Denn das entspricht nicht mehr der Realität des Arbeitsmarktes und seiner Dynamiken.

Besser ist es daher Schülerinnen zu fragen: Was interessiert dich? Sich Zeit zu nehmen mit ihnen ihre Talente zu entdecken. Ihre Potentiale zu entfalten. Und auf die Herausforderungen, die jetzt gerade vorhanden sind, zu reagieren. Anstatt einen automatisierten Berufseignungstest von 300 Fragen zu machen, brauchen die Jugendlichen eine persönliche Begleitung, die sich darauf konzentriert, was sie wollen.

Inwiefern spielt die Förderung des Selbstwerts der Jugendlichen dabei eine Rolle?

Den eigenen Selbstwert können Jugendliche nur dann erfahren, wenn sie die Möglichkeit haben, eigenständig eine Entscheidung zu treffen. Wir kommen mit ungefähr sechs Jahren in die Schule. Dort machen wir einen Test und bekommen darauf eine Note, die anzeigt: „Hierin bist du gut. Darin bist du schlecht.“ Das ist schon absurd zu sagen, dass gerade Eingeschulte hier etwas können und dort nicht. In der Schule wird stark auf akribische Intelligenz fokussiert. Aber nicht auf in Zukunft Wertvolles wie Kreativität. Unser Schulsystem bildet für einen Markt aus, den es heute nicht mehr gibt – denn eigentlich benötigen wir immer mehr Soziales und Kreatives.

Und wie reagieren die Unternehmen auf eure Herangehensweise?

Unternehmen haben derzeit mit vielen großen Herausforderungen zu kämpfen. Da geht es um externe Faktoren wie die Klimakrise und soziale, gesellschaftliche Veränderungen: Die Werte junger Menschen sind andere als die der Unternehmen. Viele Unternehmen tun sich schwer damit, diesen Wertewandel nachzuvollziehen und damit herauszufinden, was passiert ist und wie sie sich neuorientieren können. Eigentlich helfen wir zunächst den Unternehmen genau das zu verstehen, denn erst dann können wir uns dem Anliegen widmen, mit dem sie zu uns gekommen sind. Zum Beispiel Jugendliche dafür zu begeistern, bei ihnen eine Lehre zu machen.

Also geht es gewissermaßen auch darum, zwischen den Generationen zu vermitteln?

Ich bin in den 80ern geboren und aufgewachsen und sehe die Aufgabe meiner Generation darin, Brücken zu bauen. Wir sollten uns als Facillitatoren sehen, welche die Gen Z in Positionen mit Entscheidungsverantwortung, in Führungspositionen hebt. Denn insbesondere diejenigen, die langfristig von unseren heutigen Entscheidungen betroffen sein werden, sollen sie auch fällen können. Genau das heißt Zukunftsfähigkeit. Derzeit ist es oft leider noch so, dass wenn Jugendliche zu Unternehmen gehen und dort ein Projekt vorstellen, sie nicht ernst genommen werden. Deswegen ist es wichtig, dass wir ihnen dabei zur Seite stehen. Denn so werden sie gehört. Wenn wir dann noch vermittelnd erklären, warum dieses Projekt der Jugendlichen für das Unternehmen sinnvoll ist, dann kommt schneller etwas in die Gänge.

Für mich ist es wirklich wichtig, junge Menschen als Raketen zu sehen. Also als Menschen, die in einer Zeit aufwachsen und leben, die sehr ungewiss ist. In eine Welt, die eigentlich ein Scherbenhaufen ist. Deswegen ist meine Botschaft an die Jungen: Geht auf die Straße und verschafft euch Gehör! Und an die „Alten“: Hört hin und gebt! In Anlehnung an Ken Robinson: Wir müssen alles tun, um die Jungen zu bestärken – und nicht glauben, es für sie besser zu wissen. Die Zukunft ist die nächste Generation und nicht wir.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft von talentify.me?

Wir möchten als Netzwerk und Community wachsen. Über unsere Dachmarke talentify ergänzen wir laufend unser Angebot – im Zentrum steht das Motto „Zukunft bilden“. Und damit meinen wir, auf die Bedürfnisse von Jugendlichen einzugehen und sie aktiv in Entscheidungsprozesse einzubinden. Mit der talentify.academy gibt es das geballte Wissen unserer Workshops bald auf der auch in digitaler Form. Dabei formen wir auch Kooperationen, wie zum Beispiel für die Digitale NÖ Lernwerkstatt, eine virtuelle Erweiterung zum Angebot der Lernwerkstätten im Rahmen der Ferienbetreuung in Niederösterreichs Gemeinden, sowie die Plattform zur psychosozialen Gesundheit für Kinder und Jugendliche, dem WohlfühlPOOL. Diese kollaborative Herangehensweise möchten wir in Zukunft weiter fördern, denn mit mehreren Projektpartnern können wir all unser Know-How bündeln und einem breiteren Spektrum an Organisationen dabei helfen, sich zu öffnen und Neues auszuprobieren. Damit wir unseren Wirkungsgrad von lokalen Projekten auf überregionale erhöhen, streben wir insbesondere eine engere Zusammenarbeit mit der öffentlichen Hand im Rahmen von Public-Private-Kooperationen an. Die Kernbotschaft ist dabei immer: Bildung ist etwas, das alle betrifft.

Foto: talentify GmbH

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