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Lasst Weihnachtsgeschenke sprechen:
Was das Schenken über die Zeit aussagt.

Kennen Sie das erste Weihnachtsgeschenk in der Weihnachtsgeschenk-Geschichte? Genau genommen waren es drei: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Vom Jahr 0 an bis heute hat sich viel getan, was das Christkind aussuchen, kaufen, verpacken und am 24.12. ausliefern muss. Aber immer waren die Geschenke auch Abbilder ihrer Zeit – ganz egal, ob es um schwierige Zeiten oder wirtschaftliche Hochphasen ging. Und wie war das vom Kriegsende bis heute?

 

Ein Pensionist erzählt von seinem schönsten und eindrücklichsten Weihnachtsfest. Es muss irgendwann um 1950 herum gewesen sein und es war in Österreich. Es gab zwar keine Geschenke, aber dafür endlich einmal und natürlich genau an diesem Abend: genug zu essen.  Die zu Wurst-Schüsselchen hochgebratenen Braunschweiger-Scheiben wurden von der Mutter dann am Teller noch mit heißem Schweinsfett übergossen – und noch heute schwärmt der Mann von seinem schönsten Weihnachtsgeschenk: Braunschweiger in Fettsuppe.
Richtig, wir befinden uns in der Mangelzeit der Nachkriegsjahre und wie heute war das Rare das Begehrte. Man denke nur an die Menschenschlangen vor den Toren von Smartphone-Tempeln, wenn die neue Handy-Generation erstmals erhältlich ist.

 

Die 1940er und 1950er Jahre: Schenken nach Krieg und Not

Das Leben ist ein Geschenk – und so hatten die Überlebenden des 2. Weltkriegs in den ersten Weihnachten nach dem Krieg reichlich Grund zur Freude. Weil aber kaum Geld für herkömmliche Geschenke vorhanden war, behalf man sich mit dem, was zur Verfügung stand. Aus Lederflecken und Lumpen wurden Fußbälle und Puppen genäht, aus herumliegenden Brettern notdürftig Schlitten gebastelt. Für die Mutter musste ein gestrickter Topflappen genügen – und ganz Verwegene besorgten am Schwarzmarkt Zigaretten für Papa. Äpfel und Nüsse, die heute vielfach nur mehr zu Zwecken der Dekoration verwendet werden, waren kostbare und seltene Leckerbissen. Als es nach und nach etwas besser ging, und in den ausgehenden 1950er Jahren der ärgste Mangel langsam einem zarten Aufschwung wich, wurden Kofferradios zu beliebten Weihnachtsgeschenke. Das war praktisch, da auch der Rundfunk in Österreich wieder auf neue Beine gestellt wurde – und echtes österreichisches Programm empfangbar war. Die verbesserte Ernährungslage hatte auch Auswirkungen auf die Küche, für die vermehrt Küchengeräte wie Hand-Mixer und Brotschneidemaschinen angeschafft und geschenkt wurden.

 

Die 1960er und 1970er Jahre: Neue Technik, neue Geschenke

In den folgenden Jahrzehnten kam es am Spielzeug-Markt zu einer Revolution: Zum handgefertigten Spielzeug aus Holz oder Metall kamen Spiel- und Stecksysteme – meist aus Plastik gefertigt – dazu. Der Siegeszug von Lego und Playmobil in den Kinderzimmern war nicht mehr aufzuhalten. Die zwei bekanntesten Systemspielzeuge sind bis heute millionenfach gekaufte Weihnachtsgeschenke. Mit der Technisierung in den 1970er Jahren begann der Höhenflug der Auto-Rennbahn und der elektrischen Modelleisenbahn unterm Christbaum. Mädchen durften sich – weit vor jeder emanzipativen Idee – mit Barbie-Puppen beschäftigen und Papa bekam den damals reichlich exotischen Rumtopf unter den Christbaum gestellt. Und worüber musste sich Mama freuen? Über den Terrakotta-Römertopf, den man zwar nicht richtig abwaschen konnte, der aber dafür viel Platz in der Ablage einnahm und so in vielen Haushalten zur Brotdose zweckentfremdet wurde.

 

Die 1980er und 1990er Jahre: Was schenkt man, wenn man alles hat?

Wenn eine gewisse Sättigung eintritt, wird das Wünschen schwieriger – und auch das Schenken. Und so muss das Material verändert werden, speziell bei der Kleidung. Besonders beliebt waren in den 80ern Krawatten aus Leder für den Herren, und Pullover aus Kaschmirwolle (statt dröger Baumwolle) bei der modebewussten Dame. Dass man bewusster zu essen begann, kann man an der Müsli-Getreide-Mühle ablesen, einem beliebten Geschenk ab Mitte der 80er Jahre. Zugleich begann in dieser Zeit der Medien-Boom beim Schenken. Leistbare, kleine Unterhaltungselektronik wurde in immer kleiner und leichter werdenden Geschenkpackungen übergeben: der Walkman, das Tricotronic und sein Nachfolger, der Gameboy. Und natürlich begann der Siegeszug der Computertechnik – auch für das Christkind: der Atari-Computer, der Commodore VC20 (der sogenannte Volkscomputer) und das Videospiel brachten technikaffine Kinderaugen zum Strahlen. Als Gegenprogramm fürs viele Sitzen und Spielen waren Sportgeschenke wie das Skateboard, das BMX-Rad (bzw. der legendäre High-Riser) und fürs Gehirnjogging natürlich der Rubik-Zauberwürfel gern und viel geschenkte Alternativen – von den Dauerbrennern Ski, Rodel und Bob ganz abgesehen.

Die Jahrtausendwende und danach: Gehroller, Geld und Gutscheine

Das Geschenk der 2000er Jahre war das Tamagotchi, das eben geschenkt, sogleich die gesamte Familie (Beschenkte inklusive) zu nerven begann. Einen gewissen Ausgleich verschafften hochwertige, edle Holzspielzeuge, Schaukelpferde, Gehroller oder Holzzüge – ein Trend, der immer noch anhält und einen ganz bewussten Gegenpol zur Technisierung von Geschenken darstellt. In ihm kann man auch das Streben nach Nachhaltigkeit und Entschleunigung ablesen. Dennoch zählen Smartphones zu den derzeit beliebtesten Weihnachtsgeschenken – nachdem ehemalige Spielkonsolen-Renner wie Xbox oder Playstation weitgehend ins immer größer werdende Handy konvergiert sind.

Und dennoch zählen im Jahr 2017 Bücher zu den meist geschenkten Präsenten unterm Weihnachtsbaum – auch wenn die größten Summen seit einigen Jahren für Gutscheine ausgegeben werden. Am meisten Geld wird aber für Geld ausgegeben – und so bringen alljährlich Kuverts, die mit rund 240 Millionen Euro Bargeld gefüllt sind, Augen von Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen zum Leuchten.
Fröhliches Fest!

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