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Kleiner grüner Luxus:
Vom Schrebergarten zum Urban Farming

Karottenernte

 

Gemüse und Obst im eigenen Garten anzubauen hat in Wien Tradition, auch wenn die Anbauflächen winzig klein sind. Waren die Gründe in den 30er Jahren vorwiegend Weltwirtschaftskrise und Hungersnot, die Menschen zur Eigenversorgung im Schrebergarten getrieben haben, so sind es heute die Lust am Garteln und das Bedürfnis nach naturnahen, gesunden Lebensmitteln. Und die werden heute auch im dicht verbauten Stadtgebiet angebaut.

Die Idee war gut: Der Leipziger Arzt und Lehrer Moritz Schreber (1808–1861) wollte Stadtkindern die Möglichkeit bieten, sich im Grünen zu bewegen. Sie sollten beim Garteln in kleinen Parzellen durch Licht, Luft, Sonne und Bewegung gesund werden und bleiben. Allein die Kinder waren von der Idee nur mäßig begeistert – es waren eher naturliebhabende Erwachsene, die sich dafür erwärmen konnten – und so wurde 1864 der erste „Schreber-Verein“, Moritz Schreber zu Ehren, gegründet.

 

Ernährung und Erholung: Schrebergärten in Wien

Ab 1900 drang die Schreberbewegung auch immer mehr nach Österreich vor. Der „Verein Schrebergarten in Wien und Umgebung“ wurde 1910 gegründet und pachtete 110.000 m2 Grund im Rosental – wo auch heute noch, westlich der Steinhofgründe, ein Kleingartenverein besteht. In den folgenden Jahren versechsfachte sich die Anzahl von Kleingärten in Wien, sodass 1920 schon 55.000 Kleinparzellen gezählt werden konnten. Der erste Weltkrieg, die Hungersnot und die Weltwirtschaftskrise drängten den Erholungsgedanken in den Hintergrund – und veranlassten die Besitzer, Gemüse und Obst anzubauen und Kleintiere zu halten, um in den Hungerzeiten die Familie irgendwie über die Runden zu bringen. Auch nach dem zweiten Weltkrieg dauerte es noch rund ein Jahrzehnt, bis der ursprüngliche Natur- und Erholungsgedanke wieder in den Vordergrund trat. Heute genießen in Wien in rund 36.000 Parzellen Menschen ihren kleinen grünen Luxus – und dürfen seit 1992 sogar ganzjährig ihre Hütten und kleinen Häuser nutzen.

 

Urban Farming, Nachbarschaftsgärten und Ökoparzellen

Wer nicht das Glück hat, in der Stadt oder nahe der Stadt ein paar Quadratmeter sein Eigen zu nennen, muss trotzdem nicht auf eigenes Gemüse und Obst verzichten. Unter dem Begriff Urban Farming werden seit einigen Jahren auch im dichtverbauten Gebiet Grün- und Anbauflächen bereitgestellt und von urbanen Naturliebhabern genutzt. Das können Dachterrassen oder gemeinsam mit der Nachbarschaft genutzte Gärten sein – das sind aber auch sogenannte Ökoparzellen, die die Stadt Wien gegen geringes Entgelt allen Bewohnern zur Verfügung stellt. So zum Beispiel im Bio-Zentrum Lobau, wo in der Sommersaison 40 und 80 Quadratmeter große Beete genug Platz für gesundes, selbstgezogenes Obst und Gemüse bieten. Auch im Währinger Park, in den Nachbarschaftsgärten Hegerlein und Macondo, in den Hochbeeten im Schütte-Lihotzky-Park und an vielen anderen Orten in Wien können urbane Grünliebhaber und ernährungsbewusste Städter ihren grünen Daumen ausleben und ihrem Garten-Hobby fröhnen.

Infos zu Gemeinschaftsgärten und Urban Farming-Projekten in Wien finden sich auf:
www.wien.gv.at/umwelt-klimaschutz/gemeinsam-garteln.html
gartenpolylog.org/gardens

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