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Schritt für Schritt
dem Gehen auf der Spur: über den Fußverkehr

Gehen1

Wir können nicht fliegen und rollen, aber kriechen und robben ist uns Menschen à la longue zu mühsam. Es war klug, uns eine ganz besondere Fortbewegungsart anzueignen – das Gehen. Der aufrechte Gang auf zwei Beinen ist sogar eine hervorstechende Charaktereigenschaft in der Natur – zumindest auf weitere Strecken. Wie hat sich das Zufußgehen entwickelt? Warum ist Gehen so gesund? Und wie fördert die Stadtplanung den umweltfreundlichen Fußverkehr?

Die Geschichte des aufrechten Ganges beginnt vor ca. vier Millionen Jahren, als der Mensch sich aus dem Vierbeiner-Gang aufrichtete, die Wirbelsäule in die Höhe streckte – und die Füße nach und nach ihre Funktion als Greifwerkzeug einbüßten. Das Zufußgehen war entstanden und sollte bis heute als einzigartiges Merkmal den Menschen auszeichnen. Gehen ist ein sogenannter Automatismus. So selbstverständlich wie Vögel fliegen und Fische schwimmen, regelt das Zentralnervensystem automatisch unseren Gang. Zufußgehen ist ganz einfach, wir müssen nicht darüber nachdenken, wie es funktioniert – allerdings müssen wir es am Beginn des Lebens mühe- und allzu oft schmerzvoll erlernen.

 

Gehen aus Mangel an Alternativen

Zu Fuß unterwegs zu sein ist die einfachste, gesündeste, umweltfreundlichste und günstigste Art, auf der Erde voranzukommen. Klar, für unsere Vorfahren war das Gehen auch alternativlos, denn erst später zähmte man Pferde zum Reiten, entwickelte man das Rad und damit Fuhrwerke. An diesem Punkt beginnen auch schon die Konflikte unter den einzelnen Verkehrsteilnehmern – denn Straßen und Plätze waren immer schon zu schmal für unterschiedliche Fortbewegungsgeschwindigkeiten und Fußgeher sahen sich schon früh von dahinpreschenden Fuhrwerken belästigt und bedroht. Fußgänger gegen den Rest: der ewige Kampf 45 vor Christus wurde von Julius Cäsar eine Verordnung erlassen, der zufolge zwischen 6.00 und 16.00 Uhr keine Fahrzeuge im Inneren der Ewigen Stadt Rom zugelassen waren. Man muss schmunzeln, wenn man angesichts solcher Verkehrsberuhigungen und City-Sperren an jüngst vergangene Diskussionen in Wien denkt.


Ewige Städte – ewige Probleme!

In Frankreich war um 1560 im Gespräch, Fahrzeuge auf allen Pariser Straßen überhaupt zu verbieten – doch die Befürworter eines Verbotes konnten sich beim König nicht durchsetzen. Immerhin wurden, wie auch schon früher in Rom, Gehwege und Übergänge errichtet. Der Konflikt zwischen Fußgehern und fahrenden bzw. berittenen  Verkehrsteilnehmern war damals aber auch ein Konf likt zwischen gesellschaftlichen Schichten, eine Kluft zwischen Arm und Reich. So sollen Ritter hoch zu Ross Fußgänger tief verachtet und verspottet haben – und im Gegenzug vorbeirollende Kutschen den Unmut und Zorn des gehenden Volkes auf sich gezogen haben. Zufußgehen hatte, soviel ist sicher, über lange Jahrhunderte ein veritables Imageproblem.

 

Qualität der Langsamkeit: spazieren, flanieren und wandern

Erst mit dem Erstarken des Bürgertums erlebte das Zufußgehen eine rasche und unaufhaltbare Aufwertung. Gehwege wurden zu Bürgersteigen, auf denen man dahin flanierte und spazieren ging – als reine Freizeitbeschäftigung. In Frankreich entstand die sogenannte Republik der Fußgänger, eine Art Lobby-Organisation für Fußgeher, die für breitere Bürgersteige eintrat und das Gehen in der Stadt attraktiver und sicherer machen wollte. Der Philosoph Rousseau lobte das Prominieren als eine Art Rückkehr zur Natur und sah – genauso wie viele Dichter der Zeit – im Gehen die perfekte Methode, um Bewegung, Denken und Dichten in Einklang zu bringen. Auch das Wandern durch Wälder und Fluren erlebte im 19. Jahrhundert einen ersten Aufschwung, als der Mensch die Naturschönheit für sich entdeckte. Da Zufußgehen nun populär und der Ausdruck eines bestimmten Lebensstils war, wurde es auch für die Oberschicht interessant. Es entstanden Ratgeber, die über die richtige Gangart und Schrittwahl aufklärten – die hohen Damen und Herren mochten sich gerne einer Etikette des Zufußgehens unterwerfen.

 

5 km/h vs. 50 km/h

Das durchschnittliche Geh-Tempo beträgt rund fünf Kilometer pro Stunde – Autos fahren in der Stadt etwa zehn Mal schneller. Dieser Unterschied, gepaart mit der hohen Platzbeanspruchung von Autos, führte im 20. Jahrhundert zum nächsten großen Konflikt: Wer hat die Verkehrs-Hoheit auf der Straße? Der einsetzende Individual-Massenverkehr drängte speziell in den 50ern und 60ern den Fußverkehr sprichwörtlich an den Rand. In der Stadtplanung wurde – sehr fortschrittsgläubig – dem Auto absolute Priorität eingeräumt. Fußgänger wurden mit dem Argument der Sicherheit durch zwielichtige Unterführungen gezwungen, mussten bei ausladenden Übergängen Umwege in Kauf nehmen, standen minutenlang vor roten Ampeln und ließen den Auto-Strom an sich vorbeirauschen. Eine Entwicklung, deren Folgen immer noch in der Stadt zu bemerken sind, jedoch hat seit einiger Zeit ein Umdenken eingesetzt – die Rückeroberung des urbanen Raums für den Fußverkehr erfolgt langsam, aber kontinuierlich.

 

In welche Richtung geht Wien?

Heute rittern Autos, Motorräder, Fahrräder, Fußgeher und der öffentliche Verkehr um den verfügbaren Verkehrsraum in Wien. Im sogenannten Modal-Split wird die Verkehrsmittel- Wahl für den Weg von A nach B erhoben. Und hier liegt der Fußgänger-Anteil seit den 90er Jahren knapp unter 30 %. Das bedeutet, dass fast ein Drittel aller Wiener zu Fuß ihre täglichen Wege bestreiten. 7 % machen das mit dem Fahrrad, 27 % mit dem PKW – und 39 % nutzen dazu die Öffis. Bezogen auf den Fußgeher-Anteil liegt Wien damit im internationalen Spitzenfeld und wird nur von New York, London und Hamburg übertroffen. Es ist zu erwarten, dass in Wien in Zukunft noch mehr Wege zu Fuß erledigt werden, denn der Trend geht auch hier zu verkehrsberuhigten Zonen und somit zur Öffnung der Stadt für den Fußverkehr. Gründe dafür gibt es viele – aber neben Gesundheit und Lebensqualität ist vor allem der Sicherheitsaspekt zentral. Immerhin zählen Passanten zu den meistgefährdeten Verkehrsteilnehmern – die Wahrscheinlichkeit, bei einem Unfall schwer oder tödlich verletzt zu werden, ist elf Mal höher als im Auto.  Allerdings konnten bisherige Maßnahmen die Zahl der Fußgängerunfälle pro Jahr um rund 4 % senken. Die Gründung von Organisationen wie walk-space oder die Wiener Mobilitätsagentur werden diesen Trend verstärken und generell – wie schon die Republik der Fußgänger in Frankreich – sich für Belange des Fußverkehrs einsetzen.

Seit 2013 gibt es in unserer Stadt auch eine eigene Fußgänger-Beauftragte. Sie möchte in Zukunft Fußgänger-Highways etablieren – attraktive Fußgängerwege, die die wichtigsten Ziele in den Bezirken auf kurzem Weg verbinden. Hier soll nicht nur gegangen, sondern auch entspannt gelaufen, gewalkt und gerollert werden können. Ebenso ist ein leicht verständliches Leitsystem geplant – mit Weg-Zeit-Informationen zu Nahversorgern, Kulturstätten, Schulen und Behörden. Um die Planung der täglichen Fußwege zu erleichtern, wurden eine Fußwegkarte und die Zu-Fuß-App schon realisiert (mehr dazu in den Tipps zum Thema).

 

Schritt für Schritt zu mehr „Gehsundheit“

Jeder hat vermutlich schon einmal die Erfahrung gemacht, dass er sich nach einem Spaziergang oder einer Wanderung besser, ausgeglichener und wohler gefühlt hat. Gehen hat sowohl physischen als auch psychischen Einf luss auf den Körper. Dafür ist einerseits die Bewegung verantwortlich – aber auch die erhöhte Aufnahme von Sauerstoff und die mentale Anregung durch die vielfach einwirkenden Sinneseindrücke. Wer etwa die ca. 10.000 Schritte vom Westbahnhof in die Prater Hauptallee geht, erlebt in 1 bis 1,5 Stunden unendlich viel Unterschiedliches, Neues und Bemerkenswertes.

Und das sind die anderen positiven Effekte regelmäßigen Gehens (30–60 Minuten täglich):
• Verminderung des Herz-, Schlaganfall-, Alzheimer und Diabetes-Risikos
• Verminderung verschiedener Krebs-Risiken (speziell Darmkrebs)
• Reduktion depressiver Verstimmungen und Abbau von Angstzuständen
• Abbau von Stress und Müdigkeit
• Stärkung von Gelenken, Muskeln und Immunsystem
• Verbesserter Gleichgewichtssinn
• Senkung des Bluthochdrucks und Aktivierung des Lymphsystems
• Linderung von Gelenks- und Rückenschmerzen
• Gewichtsverlust, Fettreduktion und Fitnessaufbau

Der wohl berühmteste Arzt der Antike, Hippokrates, formulierte ganz richtig:  Gehen ist des Menschen beste Medizin.
Und das Beste daran: Über Risiken und Nebenwirkungen brauchen Sie sich gar nicht zu informieren. Überdosierungen? Sehr gerne! Mit den passenden Schuhen und einem Rucksack am Rücken sind Sie immer gut unterwegs – und für alle Eventualitäten gerüstet.

Also: FAIRliving (kurz) weglegen – raus- und losgehen!

 

Tipps zum Thema:

 

GEHEN IM KOPF
Bücher im Zeichen des Gehens

Buecherstapel

• Thomas Bernhard: Gehen
• Ilija Trojanow: Durch Welt und Wiese – oder Reisen zu Fuß
• Andreas Mayer: Wissenschaft vom Gehen
• Johann-Günther König: Zu Fuß. Eine Geschichte des Gehens
• Wolfgang Büscher: Berlin – Moskau. Eine Reise zu Fuß
• Hape Kerkeling: Ich bin dann mal weg
• Julian Schutting: Auf der Wanderschaft
• Josef Martin Bauer: Soweit die Füße tragen


 

WIEN ZU FUSS
Routen und Routenplaner

Fusswegkarte

Die Mobilitätsagentur hat für Android-Smart-Phones und iPhone die Wienzu-Fuß-App entwickelt. Mit ihr können alle Fußwege von A nach B geplant, gemessen und durchgeführt werden. Downzuloaden auf: wwww.wien.gv.at/verkehr/zufussgehen/zufuss-app.html
Wer es papierbasiert lieber hat, kann unter www.wienzufuss.at/fusswegkarte-bestellen gratis die Wiener Fußwegkarte bestellen.
Alle Infos zum Gehen in Wien inkl. Thementage, Veranstaltungen, Messen, Studien und Tipps für Kinder gibts auf: www.wien.gv.at/verkehr/zufussgehen und www.mobilitaetsagentur.at und www.walk-space.at


 

FÜR HARTE JUNGS UND MÄDELS
In 24 Stunden um den Neusiedler See

Was als Spaß unter Freunden begonnen hat, ist in den letzten Jahren zu einer internationalen Großveranstaltung mutiert: Wer bei dem Geh-Event „24 Stunden Burgenland“ mitmacht, muss ein Großzuchtmeister über seinen inneren Schweinehund sein.
In Oggau und Apetlon machen sich hunderte von Fußgängern und Läufern auf, um innerhalb von 24 Stunden die wahlweise 60 oder 120 Kilometer um den Neusiedler See hinter sich zu bringen. Neu ist, dass man auch mit dem Fahrrad mitmachen kann. Allerdings muss der See dann drei Mal umrundet werden. Servas die Wadln!
Infos & Anmeldung unter: www.24stundenburgenland.com

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