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Kyselak war da:
Einem Naturfreund und Freigeist auf der Spur

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Joseph Michael Kyselak war viel unterwegs – und wo er hinkam, hinterließ der Wiener k.u.k-Beamte Mauern, Steine und auffällige Punkte mit der Inschrift KYSELAK oder KYSELAK WAR DA. Seine Markierungen wurden weltberühmt und sind es heute noch. Angeblich soll er sich sogar am Schreibtisch des Kaisers verewigt haben. Wir begeben uns auf die Spur des Hobby-Alpinisten und Reiseschriftstellers Kyselak – und Fragen, was ihn angetrieben hat und wohin ihn seine Streifzüge führten.

Die Geschichte, die Joseph Kyselak weit über seine Lebenszeit hinaus berühmt machen sollte, nimmt ihren Anfang irgendwann am Beginn des 19. Jahrhunderts. In einer weinseligen Runde hatte er gewettet, dass sein Name innerhalb von drei Jahren in der ganzen Monarchie bekannt und berühmt werden würde – und zwar „ohne ein ungeheures Verbrechen oder eine neue Art von Selbstmord zu begehen.“ Um die Wette zu gewinnen, begann er weite Ausflüge und Wanderungen zu unternehmen. Wo er hinkam, ritzte er seinen Nachnamen hin und malte ihn mit schwarzer Farbe aus. Und so prangte schon bald der Schriftzug KYSELAK wie ein Logo an den unzugänglichsten Stellen – an Bergwänden, Burgmauern, Felsblöcken, Statuen und Sockeln. Schon zur Hälfte der vereinbarten Zeit hatte er es geschafft – die Wette galt als gewonnen: Er war berühmt geworden. 

 

Werdegang eines biedermeierlichen Sonderlings

Wer war aber dieser KYSELAK, über den so viel gesprochen, gelacht und diskutiert wurde? Und wie hat er es geschafft, dass sein Name bis heute im Gedächtnis der Menschen geblieben ist? Joseph Michael Kyselak wurde (vermutlich) am 9. März 1789 als ältester Sohn des Beamten Joseph Kyselack und seiner Frau Josepha auf der heutigen Adresse Lerchenfelderstraße 20 in der Josefstadt in Wien geboren. In manchen Quellen wird allerdings sein Geburtsjahr auf 1799 datiert. Gesichert scheint jedoch, dass er das Piaristen-Gymnasium besucht hat und danach an der Universität Wien eine Zeit lang Philosophie und Staats-Verrechnungswesen studiert hat. Nach einem Praktikum an der Dienststelle seines Vaters wurde er 1823 Probebeamter in der damaligen Registratur-Direktion – vermutlich würde man heute Vertragsbediensterer im Finanzministerium oder Buchhalter dazu sagen. Kyselak war sehr belesen und besaß eine große Bibliothek mit geografischen Fachbüchern und Reiseberichten.

 

Aufbruch zu den ersten Graffitis

Um seinen Plan nach Berühmtheit umzusetzen und damit die Wette zu gewinnen, nahm er sich Urlaub und begab sich auf Wanderschaft durch Österreich. Er brach am 12. August 1825 in Begleitung seiner weißen Wolfshündin Duna auf und wanderte von Wien aus über den Semmering nach Graz. Von dort aus weiter nach Klagenfurt und Spittal ins Mölltal. Zwei Monate lang zog er weiter nach Westen: über Bad Gastein, Hallein und Berchtesgarden ins Zillertal und weiter übers Timmelsjoch ins Ötztal und nach Innsbruck. In seinem Tagebuch „Skizzen einer Fußreise durch Österreich“ hielt er seine Eindrücke fest. Über Hallein etwa schrieb er: Übrigens hat man von Hallein in einem halben Tage genug, und begreift nicht, wie die Einwohner so geduldig ihre Lebenszeit den holprigen Straßen und engen, übel riechenden Gäßchen widmen mögen.

Egal, wo er vorbeikam, hinterließ er an sehr markanten Orten seinen Namenszug – mit schwarzer Farbe in Großbuchstaben ausgemalt. Für die Rückkehr plante er, den Inn mit dem Schiff zurückzufahren. Doch die Idee ließ sich nicht umsetzen und so wanderte er  – unvermindert seinen Schriftzug hinterlassend – über Salzburg nach Passau retour, wo er ein Schiff nahm und die Donau abwärts nach Wien fuhr.

 

Kyselak wird zur Legende

In Wien zurückgekehrt publizierte er ein paar Jahre später sein Wander-Tagebuch – und erntete damit großen Erfolg. Wie ein Lauffeuer begann sich herumzusprechen, das landauf – landab der Name KYSELAK an den unzugänglichsten Stellen zu sehen sein soll. Auch ein Reim machte die Runde, der die heldenhaften Taten Kyselaks rühmte:

Schwindlig ob des Abgrunds Schauer ragt des höchsten Giebels Zack – und am höchsten Saum der Mauer prangt der Name KYSELAK!

Der Ruhm von Joseph Kyselak wurde zusätzlich von vielen „Nachahmungstätern“ vermehrt, die nun überall aktiv wurden – und bis heute im Namen ihres Idols ritzen und malen. Auch soll Alexander von Humboldt auf einem Gipfel in den südamerikanischen Anden den Schriftzug KYSELAK entdeckt haben … Eine Mähr, die schon aus zeitlichen Gründen nicht stimmen kann, denn als Humboldt besagten Gipfel bestieg, war Kyselak gerade erst drei Jahre alt.

Und sogar Kaiser Franz I. soll sich in der Sache Kyselak eingeschaltet haben. Er ließ seinen Beamten zu sich beordern und maßregelte ihn: „Er verschandelt mir ja die ganze Monarchie!“ Nachdem Kyselak Besserung gelobt und das Audienzzimmer wieder verlassen hatte, soll Kaiser Franz wieder zu seinem Schreibtisch zurückgegangen sein und die Inschrift KYSELAK  vorgefunden haben.

Am 17. September 1831 stirbt Joseph Michael Kyselak an der in Wien grassierenden Cholera. Was von ihm bleibt sind seine alpinistischen Leistungen und seine originellen Beschreibungen von Land und Leuten. Und natürlich die Erinnerung an den vermutlich ersten Graffiti-Künstler der Weltgeschichte. Viele echte und noch mehr von anderen Menschen gefakte Namenszüge sind in ganz Österreich immer noch zu entdecken. Auf einem Obelisken im Wiener Schwarzenbergpark soll sich übrigens ein echter KYSELAK befinden.

KYSELAK war da!
Waren Sie auch schon dort?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bildrechte: Kyselak-Projekt

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