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Große Tanker, bitte wenden!

Als Autorin und Vortragende beschäftigt sich Doris Rothauer damit, wie Kreativität Wirtschaft und Gesellschaft verändern kann. Sie plädiert für einen Werte- und Systemwandel. Das gilt auch und besonders für den Kultur- und Museumsbetrieb.

Sie haben sich dem Thema Museen mit Menschen aus der Praxis genähert. Wie lief das ab?
Im Auftrag des damaligen Kulturministers haben wir in ganz Österreich Workshops durchgeführt und mit insgesamt mehr als 200 Kulturarbeiter_innen über die gesellschaftliche Rolle von Kunst und Kultur diskutiert. Ein roter Faden durchzog alle Gespräche: der Wunsch nach mehr Gestaltungsmacht, Teilhabe und Partizipation in der Gesellschaft und einer neuen Sinnfindung des Kulturbereichs.

Was ist die wichtigste Erkenntnis?
Um zukunftsfähig zu sein, braucht es ein Umdenken. Woran soll der Erfolg von Kulturinstitutionen bestimmt werden? Wir sagen: an ihrer Wirkung! Jetzt ist das anders: Politik und Fördergeber richten ihre Subventionspolitik an Kriterien und Kennzahlen aus, die Paradigmen folgen, die nicht mehr den gegenwärtigen Rahmenbedingungen und Herausforderungen entsprechen.

Gibt es dazu schon Initiativen?
Ende 2018 haben wir Cultural Impact ins Leben gerufen. Zunächst als Forschungsprojekt und wenige Monate später mit dem begleitenden Blog culturalimpact.at. Hier sammeln wir die Ergebnisse unserer Recherchen und bereiten das Thema in Interviews und Analysen sehr umfangreich auf. Cultural Impact geht es darum, einen Bewusstseinswandel in Gang zu setzen. Wir diskutieren Sorgen, Ängste und Best-Practices mit Akteur_innen aus dem Kulturbetrieb.

Wie kann ein Weg in eine wirkungsvolle Museumszukunft aussehen?
Das Thema spaltet die Museumsszene, es gibt eine Diskrepanz zwischen den „Bewahrern“ und den „Change Makern“. Museen im angloamerikanischen Sprachraum haben zum Teil bereits Wirkungsreporting eingeführt. Der deutschsprachige Raum ist hier etwas träger. Der Druck bei kleineren und/oder regionalen Museen ist wesentlich größer, daher sind die agiler. Die „großen Tanker“ sehen aufgrund ihrer Autorität und Unantastbarkeit wenig Veränderungsbedarf. Touristenmagnete setzen erfolgreich auf Blockbuster, Wirkung bleibt hier oft außen vor.

Was können die Museen aus der aktuellen Krise lernen?
Die digitalen Angebote werden jetzt schon als interaktiver, inklusiver und partizipativer bewertet als der physische Museumsbesuch. Nun gilt es, diese Zugänge und Kriterien nicht nur online fortzuführen, sondern auch für den physischen Museumsbesuch zu übertragen. Was sich derzeit in der Krise zeigt, ist die Chance für ein zukünftiges Umdenken, einen anderen Umgang mit Besuchern, Communities, Stakeholdern, der weg von reiner einseitiger Output-Produktion hin zu einem gemeinschaftlich kreierten gesellschaftlichen Impact geht.

Doris Rothauer unterstützt als Strategie- und Impactberaterin, Expertin und Autorin den Kunst- und Kreativbereich in seiner Wirkungsorientierung und Vernetzung.
Ihre Mission ist es, gesellschaftlichen und sozialen Wandel durch Kunst, Design und Kreativität zu fördern und mitzugestalten. Die studierte Wirtschaftswissenschafterin verfügt über 15 Jahre Berufserfahrung als Kulturmanagerin im Kunstbetrieb, ist Gründerin und Geschäftsführerin von Büro für Transfer und Autorin mehrerer Bücher.
www.dorisrothauer.com

 

Foto: Katharina Gossow

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