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Erwachsen werden und bleiben:
Über die Reife und ihre Herausforderungen

„Werd endlich erwachsen!“ ist ein Satz den Kinder, Jugendliche und (leider) sogar Erwachsene immer wieder hören. Aber was steckt eigentlich hinter dem Erwachsensein? Wie kann man das definieren? Ist man erwachsen, wenn man Bedürfnisse über Wünsche stellt, wenn man rational handelt, wenn man verantwortungsvoll Beziehungen führt – oder genügt es, einfach 18 Jahre alt zu sein?

 

Erwachsen sein: ein dehnbarer Begriff

Der Übergang von der Kindheit in das Erwachsenen-Alter – wir Erwachsenen haben das selbst erlebt – ist nicht klar festzumachen, individuell unterschiedlich und fließend. Erscheint uns eine 17-Jährige als reif und erwachsen, kann uns ein 25- Jähriger oder gar noch älterer Mensch als infantil, unreif und unselbständig erscheinen. Aber das Gesetz trennt sehr scharf zwischen Kindern und Erwachsenen – und es muss das auch tun.
(Siehe dazu auch den FAIRliving-Blog Artikel „Was dürfen Jugendliche ab wann“)

Allgemein gilt bei uns juristisch das Erreichen des 18. Lebensjahres als magische Linie zwischen Kind und Erwachsenen – man darf (fast) alles, ist im vollrechtsfähigen Alter und natürlich auch voll strafmündig. Aber es gibt auch andere Merkmale, an denen man den Unterschied festmachen kann: biologische, medizinische, sexuelle oder politische – ab wann ist man geschlechtsreif, darf man wählen, ist man ausgewachsen, groß … usw.
Generell gilt: Nach dem Ende der Adoleszenz ist man erwachsen und man hat jene Fähigkeiten entwickelt und Erkenntnisse erworben, die ein selbstständiges und eigenverantwortliches Leben ermöglichen. Man kann auch sagen, man ist reif. Die Idee von Reife und vom Unterschied zwischen Kind und Erwachsenen gab es aber nicht immer. Es wirkt heute seltsam, dass in früheren Zeiten in dieser Hinsicht nicht unterschieden wurde. Erst um 1530 verfasste Erasmus von Rotterdam eine Manieren-Schrift, die eigens für junge Menschen geschrieben war. Etwa ab diesem Zeitpunkt wurden sie als erziehungspflichtig angesehen – und auch infantiles Verhalten galt ab da als unerwünscht oder abänderungswürdig.

 

Wann ist man eigentlich „reif“?

Wie so oft: Je mehr man sich mit einem Thema beschäftigt, desto mehr Fragen tauchen auf. Vielleicht hilft es, an den Satz „Werd doch endlich erwachsen“ zu denken und sich dabei zu fragen, welche Grundsätze, Verhaltensweisen und Charakterzüge ein Mensch gemeinhin haben muss, damit wir sagen können: „Ja, sie oder er ist erwachsen!“

Der Unterschied zwischen Denken und Fühlen

Erwachsene sollten sich rational verhalten und bei ihren Handlungen das Für und Wider im Vorfeld abwägen. Die Kontrolle über die eigenen Gefühle ist dabei unerlässlich – genauso wie ethisch-moralische Aspekte mitzubedenken. Kinder agieren gefühlsgetrieben, Erwachsene sollten ihr Gefühl schärfen, ihm vertrauen und es im Griff haben.

Der Umgang mit anderen Menschen

Kinder können im Umgang miteinander grausam sein, so heißt es oft – und daran mag etwas Wahres sein. Ab einem gewissen Zeitpunkt im Leben sollte man die Fähigkeit entwickelt haben, tiefe und ausgeglichene Beziehungen führen zu können – und zwar mit dem Partner genauso wie mit Freunden, den Familienmitgliedern oder Arbeitskollegen. Wie wir mit anderen Personen reden, umgehen und Verantwortung übernehmen, ist ein wesentliches Merkmal für Reife – und allzu oft nur sehr schwer zu erreichen.

Zwischen Bedürfnissen und Wünschen unterscheiden

Kinder äußern Wünsche – manchmal sehr intensiv, z.B. am Schokoriegel-Regal bei der Kassa im Supermarkt – und haben wenig Vorstellung von ihren Bedürfnissen. Ein erwachsener Mensch hingegen überlegt, was er wirklich zum guten Leben braucht und ob er sich seine vermeintlichen Bedürfnisse auch finanziell überhaupt leisten kann. Das Erfüllen von Wünschen tritt dagegen zurück. Je nachdem wie oft man sich etwas leisten will – oder ob man sich überhaupt etwas leisten kann.

Das eigene Leben im Griff haben

Ab einem gewissen Zeitpunkt im Leben heißt es: Selber schwimmen! Das ist einerseits angenehm und wird von vielen Jugendlichen herbeigesehnt. Andererseits bedeutet das auch, sich selbst und andere ein- und abzuschätzen, Probleme zu erkennen und zu lösen versuchen oder unerwünschte Verhaltensweisen bewusst abzustellen. Und natürlich zählt dazu auch die Eigenversorgung – vom Essen, über Kleidung und Reinlichkeit bis hin zum Organisieren von wichtigen Terminen, der Ausbildung, der Arbeit und der Gesundheitsvorsorge. Wenn man daran mitunter scheitert – und man scheitert im Erwachsenen-Alter durchaus öfter – dann sollten man die Schuld nicht auf andere schieben, sondern sich überlegen, was man selbst dazu beigetragen hat, dass etwas nicht nach Wunsch verlaufen ist.

Ziele stecken und Prioritäten setzen

So schön es mitunter sein kann, in den Tag hineinzuleben, so gefährlich kann es fürs Leben sein, wenn man nichts anderes tut. Ein reifer Mensch kennt seine Fähigkeiten, seine Stärken und Schwächen und kann sich selbst vorgeben, was er wann erreichen will – beruflich wie privat. Er kann auch abschätzen, was dafür notwendig ist und in welchem Zeitrahmen ein Ziel erreicht werden kann. Der Herr über die eigene Zeit zu sein und sie gut zu managen, zeugt von Reife.

 

Erwachsener kann man immer werden

Zugegeben, obiger Katalog an reifen Handlungen und Sichtweisen ist einerseits logisch, andererseits anspruchsvoll und ambitioniert – sogar für viele ältere Semester. Und vermutlich sollten wir uns selbst im Leben viel öfter an ihm messen – als einfach nur seine Prämissen von den Jungen einzufordern. Zumal das Erwachsensein durchaus nicht nur positive Seiten hat. Immerhin bekommen Kinder von den Altvorderen immer wieder vor Augen geführt, dass sie sich später mit schwierigen Entscheidungen plagen müssen, wenig Zeit haben, gestresst sind und möglicherweise Geldsorgen haben. Und wer möchte wirklich erwachsen werden, wenn in der Gesellschaft dauernd die Jugend gepriesen wird: Wenn alle jünger aussehen wollen, lange jung und gesund bleiben wollen und weltoffen und lebensfroh? Man möchte ja nicht schon mit 20 an die Pension denken! Daher wohl auch das reichhaltige Angebot an Selbstinfantilisierung, das uns täglich davon abhält, reife Handlungen zu setzen. Angefangen von medialen Ablenkungen, Klatsch und Tratsch, dem Wegschauen bei offensichtlichen Problemen oder wenn wir die sich uns bietenden Freiräume nicht sinnvoll nutzen. Möglicherweise sind wir manchmal einfach nur zu faul, um erwachsen zu sein. Denn eines ist mit dem Erwachsenwerden nicht gemeint: das Ablegen seiner Ideale und Träume. Wer erwachsen ist, sollte nie damit aufhören, noch erwachsener zu werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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