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Die heißeste Hütte Wiens

In unserer digitalen und artifiziellen Gesellschaft wird die Sehnsucht nach traditionellem Handwerk größer. Einer, der altes Handwerk mit modernem Designanspruch verbindet, ist der Glaskünstler Robert Comploj. Im Gespräch erzählt er von Inspirationen, weiten Wegen und davon, warum Geld und Glas manchmal nicht zusammenkommen.

Von außen wirkt die „Glashütte Comploj“ wie ein modernes Geschäft für Glasobjekte. In den Auslagen finden sich nur wenige Stücke, die gekonnt und ansprechend die Vorbeigehenden in ihren Bann ziehen. Wer dann den Schritt ins Innere macht, kommt in einen hellen Ausstellungsraum, in dem wunderschöne Vasen, Schalen und Lampen die Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Und dann ist da diese Hitze. Auf der Suche nach der Quelle wird man schnell fündig. Denn kaum getrennt vom Verkaufsraum stehen im hinteren Teil Öfen, Stangen und Werkzeuge, die an eine Zeit erinnern, in der im siebten Bezirk noch mehr mit der Hand hergestellt wurde als nur Fairtrade-Espresso.

Es kann passieren, dass man ein paar Minuten warten muss, bis Robert Comploj Zeit für ein Verkaufsgespräch hat. Denn das flüssige Glas, das eventuell mit all den beeindruckenden Formen und Farben in Bearbeitung ist, verlangt vielleicht gerade seine volle Aufmerksamkeit. Die Wartezeit kann man dann mit dem Beobachten seiner kunstvollen Tätigkeit verbringen. So einen Glasbläser bei der Arbeit sieht man ja auch nicht alle Tage. Schon gar nicht einen, der sein Handwerk so virtuos beherrscht.

Zum Glas kam Comploj wegen der Matura. Um die zu bekommen, musste der gelernte Tischler in Kramsach einen Aufbaulehrgang machen. Dass es dort um Glas ging, war zunächst nebensächlich. Schritt für Schritt entwickelte der junge Robert aber eine Liebe zu diesem Werkstoff. „Mich hat der Prozess fasziniert und die verschiedenen Aggregatszustände, die Glas annehmen kann. Die Möglichkeiten sind so vielfältig, und ich habe dann gleich ein paar Kurse gemacht, damit ich es ordentlich lerne“, erinnert er sich an die ersten und prägenden Inspirationen.

Dann begannen die Wanderjahre. „Wer in der Branche wirklich was erreichen will, muss in die USA gehen. Das habe ich auch gemacht. Die Kurse waren sauteuer, aber auch sehr gut. Meinen ersten Job als Glasbläser habe ich dann auch in den USA bekommen. Aber ohne Bezahlung. Das ist so ein komisches Ethos bei den Glasbläsern. Geld zu verdienen ist ihnen eher suspekt“, schildert er seine ersten Schritte.

Nach den USA folgten ein paar Jahre in London und Dänemark. Dort arbeitete Comploj in kleinen, renommierten Studios und eignete sich neue Techniken und Fertigkeiten an. In der Zwischenzeit werkte er auch immer wieder als Tischler, um Geld zu verdienen. Bis dann 2013 der große Schritt in die Selbständigkeit folgte: „Irgendwann ist dann der Punkt gekommen, an dem ich keine Kompromisse mehr machen wollte. In meinem eigenen Studio habe ich mir dann genau die Maschinen und genau die Materialien besorgt, die mir taugen.“ Sein erster Standort war in Traun/OÖ. Vor etwas mehr als zwei Jahren hat er das Geschäft – oder vielmehr die Glashütte – in der Wiener Westbahnstraße eröffnet.

Das Feld, in dem er seine Objekte verkauft, ist breit und reicht von Kleinserien für Hotels, Kunstobjekten für Galerien in den USA und Lichtinstallationen (zum Beispiel für Red Bull am Formel-1-Ring in Spielberg) bis hin zu schmucken Pokalen. „Nachdem ich viele Säulen habe, die das Geschäft tragen, ist es auch okay, wenn ein Bereich mal weniger gut geht. Wichtig ist, dass mir immer auch genug Zeit und Raum für meine Kunst bleibt.“

Alle Infos über Produkte und Glasmacherkurse unter www.glashuettecomploj.at

Fotos: Bernhard Schramm

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