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Die beiden jungen Architekten Sebastian Haumer und Jochen Kreuter verbindet die Liebe zum Holz und zur Nachhaltigkeit. Warum das so ist, welche Rolle der Wald dabei spielt und welche Trends sie in den kommenden Jahren für relevant halten, erzählen sie im FAIRliving-Interview.

 

Gehen Sie gerne in den Wald?

Sebastian Haumer: Im Sommer meistens auf dem Rad und im Winter auf den Skiern. Aber immer wieder gerne auch zu Fuß. Die vielen verschiedenen Gerüche des Waldes finde ich inspirierend. Die Stille übrigens auch.

 

Sind Stadt und Wald in Wien eher ein Widerspruch oder eine Symbiose?

SH: Der Wald ist wichtig für die Stadt. Wenn es heiß ist – was ja immer öfter vorkommt –, wirkt der Wald wie eine Klimaanlage. Gerade auch in Wien, wo es keine kühle Meeresbrise in der Nähe gibt. Und als Naherholungsgebiet für die Wienerinnen und Wiener ist der Wald unersetzbar. Generell sind Grünraum und Wald wichtig, um die Stadtwüste runterzukühlen.

 

War die Liebe zum Material Holz immer schon da? Oder kam die erst mit der Arbeit als Architekt?

Jochen Kreuter: Das hat sich immer mehr verstärkt. Dass ich als Kind zum Beispiel lieber auf Holzboden als auf Fliesen gespielt habe, war ein erstes Indiz. Richtig bewusst wahrgenommen hab ich diese Liebe zum Holz aber erst als Architekt. Da war auch Sebastians Vater, der ja Holzbau an der HTL Mödling lehrt, eine Art Mentor.

SH: Bei unserem Projekt „52 Kubik“ – passenderweise ein Haus für eine Baumschule – haben wir damals zum ersten Mal richtig mit Holz gebaut. Und wir haben gemerkt: Wenn man damit baut, muss die Liebe zum Material Holz einfach wachsen. Überraschend war, wie gut das Element auch im Innenraum funktionert hat. Wie viel gemütlicher Wohnraum durch Holz werden kann, haben wir in diesem Ausmaß nicht erwartet. Es hat uns auch sehr bestärkt, so weiterzumachen. Als Referenz hat das Haus dann auch weitere Kunden angezogen, die so bauen wollen.

 

 

 

Und in der praktischen Anwendung? Was kann Holz besser?

JK: Es ist auch aus praktischer Sicht das perfekte Baumaterial. Man hat in 2 bis 3 Tagen ein trockenes und gerades Haus ohne Komplikationen aufgestellt. Manchmal haben Kunden Bedenken, dass es zu wenig massiv sei. Klar macht ein Haus aus Ziegeln oder Stein einen massiveren Eindruck. Aber die modernen Ziegel haben sehr viel Luftdurchlass und derart dünne Stege, dass sie weniger stabil sind als manche Holzkonstruktion.

SH: Was uns auch sehr gefällt: Man kann Holz auf so viele verschiedene Arten verwenden. Massivholz, in Kombination mit Stroh, mit Lehm oder mit Stein. Die Möglichkeiten bei Wänden und Dämmung sind wesentlich variabler als bei anderen Bauweisen. Das gibt uns als Architekten mehr Spielraum.

JK: Was uns auch wichtig ist: der Anspruch, nachhaltig und ressourcenschonend zu bauen. Holz bindet CO2 und produziert Sauerstoff, während es wächst. Auch die Entsorgungskosten und der Aufwand sind bei Holz wesentlich geringer als bei anderen Materialien. Unser Projekt „58 Sekunden“ hat diesen Aspekt im Namen. Es ist die Zeit, in der das benötigte Material für das gesamte Haus in österreischischen Wäldern nachwächst.

 

Wien und Holzbau: Ist das schon eine Erfolgsgeschichte?

SH: Im Osten Österreichs ist Holzbau noch nicht so etabliert. Vorarlberg ist da weiter. Wir wollen unseren Beitrag leisten, damit der Osten aufholt, und zeigen, wie viele Vorteile diese Bauweise hat. Und wir merken, dass das Interesse am Holzbau auch hier stärker wird.

Stichwort urbaner Wohnbau: Wie groß können Projekte in Holzbauweise überhaupt sein?

SH: Das Holzhochhaus in der Seestadt Aspern ist ein Beispiel, dass da schon einiges möglich ist. In Tokio wird gerade ein 70-stöckiges Holzhaus geplant. Daran sieht man, dass viel mehr möglich ist. Der höhere Preis bei der Errichtung wird oft als Gegenargument genannt. Aber langfristig lohnt sich Holz, wenn man den Lebenszyklus rechnet. Vor allem, wenn man den Energieaufwand gesamt kalkuliert.

JK: Prinzipiell ist es sogar einfacher, große Projekte in Holzbauweise zu errichten. Trocknungszeiten fallen weg, und die Planung wird berechenbarer. Auch die Technik ist schon sehr weit. Und beim Brandschutz ist Holz besser als sein Ruf. Zum Beispiel im Vergleich zum Stahl, der sich im Brandfall wesentlich unberechenbarer verhält.

 

 

 

Ein kurzer Blick in die Zukunft: Ist der Trend zum Element Holz in der Architektur auch eine Art „Zurück zum Ursprung“?

SH: Lowtech ist immer mehr ein Thema. Das wird auch noch stärker werden. Weg von der Technik, zurück zur Einfachheit. Man wohnt ja quasi in einem Stück Wald. Und durch die steigende Zahl der Do-it-yourselfAnhänger gewinnt das einfach zu handhabende Holz an Bedeutung. Den Innenausbau oder die Schindelfassade selbst zu machen ist ja handwerklich kein Problem für Laien. Ich glaube auch, dass dieser Trend in einer automatisierten Welt stärker werden wird, weil wir mehr Zeit haben und weniger Erwerbsarbeit leisten werden.

 

Wofür steht eigentlich Ihr Firmenname JOSEP?

SH: Das ist die Abkürzung für JOchen, SEbastian und Partner. Wobei wir den Begriff Partner sehr weit interpretieren. Das umfasst unsere Mitarbeiter ebenso wie Kunden und Ausführende.

JK: Etwas blumiger gesagt: Partner sind alle, die mit uns reisen wollen.

 

DI Sebastian Haumer (geb. 1989) und DI Jochen Kreuter (geb. 1987) arbeiten seit 2012 zusammen und haben 2016 das Architekturbüro JOSEP gegründet. Die beiden gelten als aufsteigende Sterne am heimischen Architekturhimmel. Ihr Fokus liegt auf nachhaltigem Holzbau.

JO-SE-P OG
Zentagasse 37
1050 Wien

info@nulljosep.co.at

www.josep.co.at

 

 

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