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Wiederkehrend schön

Beginnen wir mit ein wenig Naturwissenschaft: Metalle sind diejenigen chemischen Elemente, die sich im Periodensystem links und unterhalb einer Trennungslinie von Bor bis Astat befinden. Für alle, die sich mit Verortungen im Periodensystem nicht so leicht tun, sei gesagt, dass es sich um circa 80% aller Elemente handelt. Da ist also viel Metallisches um uns herum. Und auch unter uns, denn der Erdkern besteht aus Eisen. Das hat zwar noch niemand selbst gesehen, lässt sich aber so erklären, dass es das kernphysikalisch stabilste Element ist und auch besonders dicht. Geht man hingegen vom Kern weiter nach oben in die Erdkruste, so finden sich dort allerdings überwiegend Nichtmetalle. Aber das ist eine andere Geschichte.

Ein wichtiger Industriezweig in Österreich

Bleiben wir also in der Welt der Metalle. In Österreich spielt die metalltechnische Industrie schon lange eine wichtige Rolle. Als bekanntestes Unternehmen ist die voestalpine weltweit tätig und beschäftigt mehr als 50.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Rund jeder dritte Industrie-Arbeitsplatz in Österreich ist einer in der Metalltechnik. Ein Viertel aller heimischen Exporte kommt aus dieser Sparte. Und trotz dieses großen Volumens sind acht von zehn Unternehmen Klein- und Mittelbetriebe.

Jahrelanges Auf und Ab

In diesen Unternehmen entstehen beeindruckend große und funktionelle Produkte, die uns umgeben und vielleicht gar nicht mehr richtig auffallen. So wie die Rolltreppen der Wiener Linien, die Tag für Tag Millionen von Menschen von oben nach unten oder auch von unten nach oben bringen. Entgegen dem schlechten Ruf funktionieren im Durchschnitt 97% aller Fahrtreppen – so die korrekte Bezeichnung – der Wiener Linien. Jede Anlage genießt einmal im Monat einen vierstündigen Check und alle zweieinhalb Jahre ein großes Service, das dann vier Tage dauert. Die Lebensdauer einer Rolltreppe beträgt circa 25 Jahre. In dieser Zeit transportiert sie Millionen von Menschen und legt eine Strecke von 400.000 Kilometer zurück. Die Wiener Fahrtreppen zählen zu den schnellsten der Welt. Mit einer Geschwindigkeit von 2,34 km/h kann man sich hier den Fahrtwind um die Nase wehen lassen. In Prag befindet sich das Eldorado der rasenden Treppen, dort können Speed-Enthusiasten sogar mit 3,24 km/h rauf und runter rollen. Das Besondere an den Wiener Anlagen: Nahezu jede ist ein Einzelstück, das individuell an die notwendige Neigung und andere Erfordernisse angepasst wurde. Das ist auch der Grund, weshalb Reparaturen manchmal ein wenig länger dauern. Die Ersatzteile können nicht einfach bestellt werden, sondern werden – wie alle Teile – einzeln gefertigt. Die Arbeiten an den Rolltreppen finden in den allermeisten Fällen im Technikraum oder in der betriebslosen Zeit statt. Deshalb sieht man auch sehr selten Menschen, die direkt am sichtbaren Teil der Anlagen werken.

Leidenschaft für den richtigen Schliff

Apropos werken: Eine ganz andere Art der Beschäftigung mit Metall hat Stefan Herzina vor 24 Jahren für sich entdeckt. Der heute 45-Jährige ist gelernter Feinmechaniker und Trainer in der Jugend- und Erwachsenenarbeit und lebte damals in Australien. Eine Begegnung mit dem Profimesserschmied Simon Jurjevic hat ihn auf neue Wege geführt. Herzina erinnert sich: „Ich zeigte ihm damals stolz mein Kreissägeblattmesser. Er hat nur gelacht und mit seinem starken Akzent gemeint: ‚Ha, you come tomorrow, I show you how to make knives!‘“ Und so begannen spannende und anstrengende Monate in der Werkstatt des Meisters, in denen Jurjevic die hohe Kunst des Messerschmiedens in ihren vielen Facetten an den Niederösterreicher weitergab. Die echte Leidenschaft und die Liebe zum Schmieden hat Stefan Herzina in sich: „In den letzten 15 Jahren habe ich viel Zeit damit verbracht, verschiedene Techniken wie Laminieren oder Damaszieren zu erlernen und zu verfeinern. Da haben mir Feilen, Kugellager, Rasenmäherklingen, Wagenachsen, Blattfedern aus Lkw und Pkw und alte Stanzwerkzeuge geholfen. Das sind Rohstoffe, die man sogar auf den entlegensten Flecken der Erde mit etwas Geduld finden kann“, erzählt Herzina.
Sein Wissen und sein Können weiterzugeben ist ihm ein großes Anliegen. Deshalb bietet er Workshops an, in denen interessierte Menschen ab 13 Jahren in die Welt der Metallbearbeitung eintauchen können. Am ersten Tag geht es am Amboss zur Sache. Die Klinge wird geschmiedet. Am zweiten Tag folgt dann, im wahrsten Sinne des Wortes, der Feinschliff. Für die Griffe gibt es ebenso einen eigenen Workshop wie für Kinder. Ihnen soll vor allem der Umgang mit dem formbaren Material vermittelt werden. „Es ist ein besonderes Erlebnis, wenn man weiches Metall gestalten kann. Je früher man die Faszination wecken kann, umso besser“, meint Herzina.

Brücken schlagen als Lebensaufgabe

Die Brücke, die wir zum nächsten Thema schlagen, ist natürlich aus Stahl. In Wien gibt es nämlich jede Menge davon. Sie bringen uns über Flüsse und Gleise, oder sie führen uns über Straßen. Herr der Brücken in Wien ist Senatsrat DI Hermann Papouschek. Er leitet die MA 29 Brückenbau und Grundbau. Und er tut das mit hörbar großer Leidenschaft und Freude. „Stahl ist als Material für Brücken erst im 19. Jahrhundert mit der Industrialisierung so richtig im Mode gekommen. Davor baute man mit Stein oder Holz. Mit dem Stahl hat sich eine neue Dimension der Belastungsfähigkeit ergeben. Das war vor allem für Eisenbahnbrücken wichtig.“ Architektonisch herausragend sind in Wien die Stahlbrücken von Otto Wagner. Die Herstellungsweise des Stahls war damals vor allem hinsichtlich des Kohlenstoffgehaltes anders als heute. Aus diesem Grund wurden die Verbindungen bei diesen Bauwerken genietet und nicht geschweißt. Das stellt heute die Sanierer vor große Herausforderungen, denn die Tragwerke lassen sich nur aufwändig und zeitintensiv renovieren und warten.

Einmal neu, einmal wie neu

Zwei ganz neue Brücken aus Stahl – eine neu errichtet und eine wiederentdeckt – werden die Wienerinnen und Wiener demnächst nutzen und genießen können. Der Arsenalsteg begleitet Papouschek schon seit seiner früheren Tätigkeit als Leiter des Bauprojektes Hauptbahnhof: „Mich freut die Fertigstellung sehr, weil an dieser Stelle der dritte und der zehnte Bezirk nach 150 Jahren wieder verbunden werden. Auch technisch macht uns dieses Bauwerk stolz. Die 700 Tonnen Stahl sind teilweise auf den Millimeter genau angepasst. Wir hatten hier einen sehr hohen Vorfertigungsgrad. Beim Zusammenschweißen haben wir Zelte eingesetzt, weil die Schweißnähte auf Wind, Temperaturwechsel und Regen mit Qualitätsverlust reagieren würden“, schildert Papouschek die technischen Herausforderungen. Die zweite Brücke, die bald in neuem Glanz erstrahlen wird, ist eine der ältesten Eisenbahnbrücken Österreichs. Sie verband einst den Nordbahnhof mit der Donauuferbahn und verschwand dann, wie viele Teile des ehemaligen Nordbahnhofareals, aus den Augen der Öffentlichkeit. Jetzt feiert dieses vergessene Stück Wiener Eisenbahngeschichte seine Wiedergeburt und wird mit der Eröffnung der Grünoase „Freie Mitte“ spätestens 2024 Spaziergängerinnen und Spaziergängern sowie Radfahrenden zur Verfügung stehen. Generell sei im Brückenbau ein Mix aus den optimalen Materialien gängige Praxis: „Brückenlager aus Elastomeren (also Kunststoff) mit Teflongleitschicht haben die alten Stahlrollenlager abgelöst. Stahlbeton ist auch immer wieder im Einsatz. Die materiell sortenreine Brücke gibt es nicht – und das hat auch gute Gründe.“

Metalle begegnen uns aufgrund ihrer hohen Wiederverwertungsquote immer wieder. Was einst die Ritterrüstung eines wackeren Burgherren war, wurde vielleicht zum Schwert seines Widersachers und zum Pflug eines Bauern, später zum Messer eines Wirtes, zur Schiene einer Bahnverbindung und zum Autoteil. Und heute steckt dieses Metall vielleicht als Siebträger in Ihrer Espressomaschine. Am besten, Sie schauen einmal nach.

Inspirationen

Ausstellung Schwerindustrie: Im Technischen Museum Wien zeigt die Schwerindustrie-Ausstellung, neben dem Bergbau, auch Metallerzeugung und -verarbeitung in großindustriellen Strukturen. Technisches Museum Wien, Mariahilfer Straße 212 www.tmw.at

Messer zum selbst Schmieden: In zwei Tagen das eigene Messer schmieden und schleifen kann man bei Stefan Herzina in St. Andrä-Wördern. Vorkenntnisse sind nicht notwendig, 330 Euro Kursbeitrag schon. Alle Infos unter www.messerei.at/kurse

Wiener Brücken als Buch: Der Band „Wiener Brücken“ präsentiert Architektur und Geschichte der wichtigsten Wiener Brückenbauwerke, ergänzt durch Fotografien, die einen etwas anderen Blick ermöglichen. Elisabeth Patsios: Wiener Brücken – Bauwerke ästhetischer Ingenieurskunst. Bohmann Verlag 2009

Rolltreppe, Messer, Brücke oder, wie hier, eine faszinierende Innenraumgestaltung mit Metallfliesen aus Titannitrid beschichtetem Edelstahl in Messingoptik: Metall bietet unendliche Möglichkeiten.

Fotos: Shutterstock, Gabriel Büchelmeier

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