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Alles neu – alles anders:
Was war neu am Jugendstil in Wien?


Die junge Generation will immer alles anders machen als ihre Altvorderen.
Genauso ist das auch in der Kunst und in der Architektur – speziell wenn es um den Jugendstil geht, der am Übergang vom 19. ins 20. Jahrhundert das Aussehen der Städte nachhaltig verändert hat.
Aber was bedeutet der Begriff Jugendstil wirklich? Welche Überlegungen stecken dahinter? Welcher jugendlich-revolutionäre Gedanke? FAIRliving geht dem auf den Grund. Zusätzlich begeben wir uns auf Fotosafari zu einigen der bekanntesten Jugendstil-Bauten Wiens.

Es liegt offenbar in der Natur der Sache (oder in der Natur der Jugend?), dass sich die nachkommenden Generationen von eingefahrenen und oftmals auch erprobten Handlungsweisen, Anschauungen und Verfahren ihrer Vorgänger abheben und emanzipieren möchten. Und auch wenn es dem einen oder anderen lästig ist und nicht notwendig erscheint – das ist auch das gute Recht der Jugend.
Was sich im alltäglichen Leben mitunter als Generationenkonflikt darstellt, ist auch in der Sphäre der Kunst gut bekannt und hat nicht selten zu produktiven Neuerungen geführt. Künstlerische Revolutionen, der Aufbruch in ein neues ästhetisches Zeitalter, sind Konstanten der Kunstgeschichte. In der Literaturgeschichte kennt man die Sturm und Drang Phase, als (der junge) Goethe vor allem aber (der junge) Schiller sich gegen den Realismus und Historismus wandten und demgegenüber eine schwärmerische, idealistische und kraftvolle Literatur propagierten und schufen. Auf der Ebene der bildenden und angewandten Kunst war der Jugendstil eine solche Revolution.

 

Der neue Stil der Jugend

Der Jugendstil ist eine Kunstrichtung, die am Ende des 19. Jahrhunderts in England ihren Ausgang nahm. Die Bewegung „Arts and Crafts“ – also Kunst und Handwerk – richtete sich gegen die Industrialisierung, die Gleichschaltung und Massenproduktion in Kunst und Architektur. Daraus hervorgehend waren zwei Anliegen die Basis für den Jugendstil, so wie er sich bei uns präsentierte und präsentiert:
Der unbändige Wunsch, dem Althergebrachten und Bekannten etwas Neues entgegenzusetzen – sich vom Bestehenden abzuheben und einen völlig neuen, eigenständigen Stil zu entwickeln. Zudem erteilte der Jugendstil der Nachahmung historischer Vorbilder (z.B. Historismus, Neo-Klassizismus, Neugotik) eine klare Absage und wandte sich massiv gegen die effizienzgetrimmte Massenproduktion von Kunstwerken und Gebäuden. Handwerklich ausgefeilte Ornamente, geschwungene Linien, pflanzliche und geometrische Formen und Verzierungen sind für den Jugendstil prägend. Die künstlerische Gestaltung von Gebäuden sollte sich aber auch ins Innere übertragen und ein Gesamtkunstwerk ergeben – weshalb auch Innenarchitektur und Möbeldesign den selben Prinzipien folgten.

 

Gerade, geschwungen, farblich, fantastisch – und funktional

Die stilprägenden verschnörkelten, schwungvollen, farbenfrohen Formen und Strukturen leiten sich aus der Natur ab: Es kommen Darstellungen von Pflanzen, Tieren, Fabelwesen, wallenden Haaren, Weiblichkeit, Nymphen und Figuren aus der Mythologie aber auch Wellen und Wasser zur Anwendung.  Das propagierte Ideal von der Einheit von Handwerk und Kunst sollte aber auch die Funktionalität sicherstellen – und schon der Grundriss und die Fassade sollten Rückschlüsse auf die Verwendung zulassen. So entstand innerhalb des Jugendstils auch eine zweite, wesentlich geometrische und puristischere Strömung, die die Struktur der Bauten betonte – gerade in Wien war sie sehr beliebt und bildete einen Gegenpol zu der fantastischen Formenvielfalt.

 

Auffällig anders: das junge Wien um 1900

In Wien fiel der Bruch der jungen Generation mit der Tradition der Altvorderen besonders schroff aus. 1897 trat Gustav Klimt mit vielen anderen Künstlern aus dem Kunstverein aus und gründete die Secession, die Abspaltung. Weithin sichtbares Symbol für die neuen ästhetischen Zeiten sollte die von Joseph Olbrich erbaute Secession am Karlsplatz sein. Bis heute ist das sogennante „Krauthappel“ ein Fixpunkt für kulturbegeisterte Besucher aus aller Welt.
Andere wichtige Vertreter des Jugendstils waren Otto Wagner, Josef Hoffmann, Adolf Loos, Koloman Moser, Egon Schiele, Oskar Marmorek, Carl Moll oder Richard Gerstl. Vor allem die Architektur des Jugendstils prägt auch heute noch das Wiener Stadtbild. Wer sich auf den Weg macht und die Postsparkasse, die Kirche am Steinhof, die Wohnhäuser an der Linken Wienzeile, die Stadtbahnstationen (z.B. Karlsplatz), das Ernst-Fuchs Museum oder den Rüdigerhof besucht, bekommt einen Eindruck von der Wucht und der Kraft, die mit der Revolution der damals jungen Künstler ihren Ausgang genommen hat.

Wir haben ein paar der stilprägendesten und bekanntesten Jugendstilbauten in Wien besucht. Schnell wird einem dabei klar, wie wichtig Otto Wagner war – und wie viele Projekte er realisiert hat, mehr als jeder andere Architekt seiner Zeit. Aber sehen Sie selbst!

 

Hoch über Penzing thront die Otto-Wagner-Kirche am Steinhof. Ein weithin sichtbares Baudenkmal, von 1904 bis 1907 entstanden, das erst vor wenigen Jahren renoviert wurde.

 

 

Das Ernst-Fuchs-Museum in der Hüttelbergstraße war einst der Sommersitz der Familie Wagner …

… durch das hohe Verkehrsaufkommen ist die Lage heute etwas ungünstig – die Farben- und Formenvielfalt, die vielen künstlerischen Details beeindrucken dennoch.

 

 

 

Entlang des Gürtels – aber auch über und neben dem Wienfluss – gestaltete Otto Wagner die Stationen der Stadtbahn …

… so wie hier den Pavillon am Karlsplatz, wo die Verbindung von Form und Funktion gut erlebbar wird.

 

 

 

Weniger bekannt ist, dass Otto Wagner für zwei Wohnhäuser an der Linken Wienzeile verantwortlich zeichnete. Das Haus auf Nummer 38 …

… und das floral reichverziehrte sogenannte Majolikahaus. Ein von Wienbesuchern vielfotografiertes Sujet. 

 

 

Gleich um die Ecke vom Naschmarkt scheint der Rüdigerhof über den Bäumen zu schweben.

Beliebt ist das 1902 von Oskar Marmorek gebaute Eckhaus in der Hamburgerstraße 20 vor allem, weil es ein legendäres Café beherbergt. Blickt man vom schattigen Gastgarten nach oben, erfreut die prächtige Dachkonstruktion das Auge des Besuchers.

 

 

Ganz in der Nähe – in der Steggasse 1 – ragt ein frühes Werk des Architekten Josef Plečnik in den Himmel. 1901 entstanden, ist es ein Beispiel für den kargeren, geometrischeren Jugendstil wiener Prägung.

 

 

Auch das Wohn- und Geschäftshaus in der Hadikgasse 58, Ecke Diesterweggasse, ist nicht besonders überornamentiert. Dennoch kann man an dem von Hans Mayr entworfenen Objekt gut den kunsthandwerklichen Unterschied zum Gebäude nebenan erkennen.

 

 

 

Ganz sicher einer der beeindruckendsten Jugendstilbauten in Wien ist das Schützenhaus bei der Rossauer Lände, das 1908 zur Regulierung des Donaukanals fertiggestellt wurde. Otto Wagner deutet in der Fassadengestaltung schon seinen Zweck an … irgendetwas mit Wasser. Seit der Renovierung im Jahr 2011 kann man hier stilvoll essen und trinken.

 

 

 

Ein Bau, dessen Zweck sich seit 1912 nicht verändert hat, ist die Postsparkasse am Georg-Coch-Platz 2. Otto Wagner hat damit eines der stilprägendsten Gebäude der Moderne erschaffen.

 

 

Wo sich Donau und Donaukanal trennen, reguliert das Nussdorfer Wehr die Wassermengen, die in die Stadt strömen. Sowohl das Verwaltungsgebäude, wo heute die MA 45 (Wiener Gewässer) ihren Sitz hat, als auch die Schemerlbrücke und die Wehranlage selbst wurden 1899 nach Plänen von Otto Wagner fertiggestellt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bildrechte: Martin Gessoni, favoriten Wien

 

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