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Vom einsamen Leben, dem Urwald in der Stadt und dem Baden ohne Wasser.

Kennen Sie auch dieses Gefühl, wenn Sie im Wald spazieren gehen und den Eindruck haben, Sie wären in einem Tempel der Natur, der mit vielen Farben, Geräuschen und Gerüchen zu beeindrucken weiß? Sie sind nicht alleine damit. Denn dem Zauber des Waldes zu erliegen hat eine lange Tradition. In der deutschen Romantik wurde er als Sehnsuchtsort überhöht und war geheimnisvolle Kulisse zahlreicher Märchen. Wo Rotkäppchen, Hänsel und Gretel einst auf Hexen und Wölfe mit zweifelhaften Absichten trafen, haben sich auch friedlichere Zeitgenossen angesiedelt, um die Freude am einfachen Leben zu zelebrieren.

Freiheitsliebe unter Bäumen

Der wohl bekannteste Vertreter der Neigungsgruppe Walderfahrung war Henry David Thoreau. Der amerikanische Lehrer und Philosoph hatte 1845 spontan beschlossen, zwei Jahre in einer Blockhütte mitten in den Wäldern von Massachusetts zu verbringen. Schon damals von der gestressten Massengesellschaft genervt – man möchte ihm heutige Zeiten ersparen –, hat er seine Erfahrungen in einem Buch festgehalten. „Walden or Life in the Woods“ gilt als ideale Einstiegslektüre für alle, die sich diesem Lebensraum tiefer verbunden fühlen und auf der Suche nach alternativen Lebensformen sind. In poetischen Alltagsbeschreibungen zeichnete Thoreau ein detailreiches und optimistisches Bild der Selbstfindung durch Einsamkeit in der Natur. Und auch wenn die wenigsten Menschen für ein paar Jahre in eine Blockhütte in den Wald ziehen wollen: Das mit der Ruhe und der Natur haben ist ein Wunsch, der in vielen Köpfen und Herzen seinen Platz gefunden hat.

 

Achtsame Art des Waldspazierganges

Und es gibt (Wald-)Wege und Mittel, diesen Wunsch zu erfüllen: Wer vollkommen ins Grüne eintauchen will, sollte es zum Beispiel mit Waldbaden versuchen. Dabei bleibt man vollkommen trocken (wenn das Wetter mitspielt) und muss sich auch keinen passenden See oder Wasserfall suchen. Hilfreich ist es, sich zum Beispiel von Sabine Burggraf begleiten zu lassen. Sie beschäftigt sich mit Shinrin Yoku – so die japanische Bezeichnung für das Waldbaden – und weiß, wie man sich vom Wald umspülen lassen kann: „Am Anfang ist es wichtig, keine besondere Erwartung zu haben. Der Zweck des Waldbadens ist es, keinen Zweck zu verfolgen“, sagt Sabine Burggraf. „Als ich damit begonnen habe, mit anderen Menschen in den Wald zu gehen, hatte ich ein eigenartiges Gefühl und hab mich gefragt, wozu es mich überhaupt braucht. Aber bald hab ich gemerkt, dass ich Orientierung geben, die Aufmerksamkeit auf bestimmte Dinge lenken und dabei helfen kann, dass sich die Waldbadenden auf ihr Inneres konzentrieren können.“ Dabei sei es gar nicht wichtig, ob der Weg durch verschlungene Nebenpfade oder breite Forstwege führt. Drei Stunden lang achtsam und ruhig zu werden, empfinden die meisten als inspirierend und heilsam. Der positive Einfluss der Waldluft, der Farben und der Aromen auf Seele, Hormone und Kreislauf sei spürbar. „Man muss nicht unbedingt als neuer Mensch und total erleuchet nach Hause gehen. Aber die meisten fühlen sich einfach besser“, erklärt die „Waldbademeisterin“.

Nach diesem erfrischenden Waldbad durchstreifen wir nun zur Abwechslung ein wenig das trockene Fakten-Unterholz: Die Fläche Österreichs besteht fast zur Hälfte aus Wald, der wiederum fast zur Gänze von Menschen gepflanzt und kultiviert wurde. Rund 80 % der Wälder befinden sich in Privatbesitz. Den Rest teilen sich die Bundesforste, Länder und Gemeinden. Der Anteil an echten Urwäldern in Österreich ist flächenmäßig gering, aber deshalb ökologisch besonders wertvoll. Beispiele für heimische Urwälder sind der niederösterreichische Rothwald im Wildnisgebiet Dürrenstein oder ein „LaubwaldDschungel“ aus Ulmen, Bergahorn und Eschen versteckt in einem Bundesforste-Reservat im Salzburger Stubachtal inmitten des Nationalparks Hohe Tauern.

 

Wiener Urwald statt Großstadtdschungel

Aber wer denkt schon an Wien, wenn es um Urwälder geht? Die MA 49 ist jene Magistratsabteilung, die sich um den gesamten Wiener Waldbestand – immerhin fast ein Viertel der Stadtfläche – kümmert. Und auch um Wiens einzigen Urwald, den Johannser Kogel. „In Mitteleuropa werden die Wälder seit jeher bewirtschaftet. Urwälder, die mehr oder weniger unbeeinflusst von außen wachsen und ihren Lebenszyklus entwickeln können, sind sehr selten“, weiß DI Alexander Mrkvicka von der MA 49. Er kennt den Johannser Kogel wie kaum ein anderer. „Die Bäume im abgezäunten Gebiet sind 400–500 Jahre alt. Viele sind bereits Totholz und somit wichtig für das Entstehen von Pilzen und Käfern, die vor allem in so tief liegenden Regionen sonst kaum vorkommen.“ Forscher aus aller Welt reisen an, um diese Lebewesen ganz genau unter die Lupe zu nehmen. Unter anderem auch den Großen Eichenbock, der – anders, als es der Name vermuten ließe – kein Geweih, aber umso beeindruckendere Fühler trägt. Er ist nämlich der größte Käfer Österreichs und somit eine der Attraktionen, die auch Nichtwissenschaftern offenstehen. Allerdings nur sehr selten: 10 Führungen pro Jahr durch die spannende Welt des Johannser Kogels werden angeboten. Maximal 25 Personen können teilnehmen (alle Infos im Kasten rechts). „Die Gäste sind immer sehr beeindruckt von der besonderen Atmosphäre und sind beim Fotografieren kaum zu bremsen“, erzählt Alexander Mrkvicka.

 

Grünes Lernen: Waldschulen der MA 49

Auch für die jüngeren Freunde des Waldes hat die MA 49 etwas zu bieten. Zwei Waldschulen in Ottakring und in der Lobau sorgen dafür, dass Kinder und Jugendliche gemeinsam mit Förstern Gespür und Bewusstsein für die Vielfalt und die Vitalität des Waldes entwickeln können. Jährlich kommen etwa 4.000 Schülerinnen und Schüler aus ganz Wien, um im ersten waldpädagogischen Forschungszentrum Österreichs genau das zu tun. Und auch wenn es dem Wald in Österreich gut geht, weil er geschätzt und gepflegt wird, ist es wichtig, ebenso einen globalen Blick auf das Ökosystem zu werfen. Hier zeigt sich, dass oft wenig Rücksicht auf die nachhaltige Bewirtschaftung von Waldgebieten genommen wird. Mit welcher Geschwindigkeit zum Beispiel in Südamerika Urwälder gerodet werden, ist Besorgnis erregend und verdient kritische Aufmerksamkeit. Denn der Wald ist mehr als nur Erholungsgebiet und Holzlieferant. Er ist unverzichtbarer Baustein des Lebens auf unserem Planeten.

 

Urwald Johannser Kogel

Führungen der MA 49
Termine 2019
23. und 25. April
17. und 23. Mai
14. Juni
Die genauen Zeiten erfahren Sie bei der Anmeldung.
Treffpunkt: Nikolaitor Lainzer Tiergarten
Kosten: Erwachsene 12 Euro, Kinder bis 15 Jahre 6 Euro
Dauer: circa 3,5 Stunden

Anmeldung telefonisch unter 01/4000-49200

 

Waldbaden mit Sabine Burggraf

www.naturzauber.at
Nächster Gruppentermin: 25. 5. 2019 im Westen Wiens
Kosten: 55 Euro/Person
Mindestalter: 16 Jahre
Kontakt: info@nullnaturzauber.at

 

 

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