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Go West!

Vom Tellerwäscher zum millionenschweren Konzernchef – den amerikanischen Traum haben schon viele Auswanderer geträumt. Immerhin steht der Westen traditionell für Fortschritt und Wohlstand. Aber stimmt das überhaupt noch? Und was versteht man nun wirklich unter dem sogenannten Westen? Wir schauen uns das ein bisschen genauer an – und streifen dabei die Entdeckung Amerikas, den Western als erfolgreiches Filmgenre und die Auswirkung der Westwinde auf Europa und Österreich.

Fernglas

Wenn man nur lange genug Richtung Westen segelt, so dachte Christopher Columbus, müsste man ja irgendwann im Fernen Osten ankommen. Gemeint war damit Indien, das bis zu diesem Zeitpunkt über die sogenannte „Gewürzroute“, also um den Südspitz von Afrika herum, angesteuert wurde. Columbus war überzeugt, über die Westroute von Portugal aus in nur wenigen Tagen Indien erreichen zu können. Wie wir heute wissen, hat er sich gewaltig getäuscht. Denn am 12. Oktober 1492 erreichte er nicht Indien, sondern die Insel San Salvador auf den Bahamas. Bis zu seinem Tod war er der Ansicht, Indien angelaufen zu haben, weshalb er die Einheimischen auch Indianer nannte. Aber Fehler hin, Uneinsichtigkeit her: Amerika war entdeckt – und bis heute zieht es so manchen Auswanderer aus der „Alten Welt“ in Richtung Westen, nach Südamerika, in die USA oder nach Kanada, um sein Glück in der „Neuen Welt“ zu finden. Für den einen oder anderen soll sich das Wagnis ja auch tatsächlich gelohnt haben.

 

 

Der sehnsüchtige Blick nach Westen

Aber warum steht der Westen eigentlich für Fortschritt und Entwicklung? Und was ist mit dem Westen geografisch gemeint? Es handelt sich dabei ja nicht nur um eine Himmelsrichtung. Heutzutage versteht man unter dem „Westen“ am ehesten die Staaten von Nordamerika und (West-)Europa. Ihnen gemein sind Werte wie Freiheit, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie – aber auch das marktwirtschaftliche System und die Trennung von Staat und Kirche. In allen westlich geprägten Staaten, wie Frankreich, Deutschland, England und den USA, war die Aufklärung besonders erfolgreich und hat hier zu einem Siegeszug von Wissenschaft und Forschung beigetragen. Die Folgen: Die einstige Vormachtstellung von Adel und Kirche wurde zurückgedrängt – und Augenmerk auf das Wohl und die Entwicklung jedes einzelnen Menschen gelegt. Pressefreiheit, Berufsfreiheit und das Recht auf Bildung sind direkte Ergebnisse dieser gesellschaftlichen und historischen Entwicklungen. Tatsache ist, dass westliche Länder zu den höchstentwickelten Ländern der Welt mit hohem Lebensstandard und hoher Lebenserwartung zählen. Gemessen und verglichen wird die Entwicklung von Ländern im sogenannten Human Development Index, einem Wohlstandsindikator der UNO – und hier liegen die USA, Kanada und viele Staaten Europas weit vor anderen Regionen der Welt (www.hdr.undp.org/en/countries). In Zeiten der Globalisierung und wirtschaftlichen Verflechtung der Welt ist natürlich vieles im Umbruch, sodass man immer weniger vom „Westen“ – wie bisher – sprechen kann.

 

 

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„Go West“ und die rauen Sitten im „Wilden Westen“

Begeben wir uns noch einmal kurz über den Atlantik. Denn dort hat sich in den USA ab Mitte des 19. Jahrhunderts eine große Bewegung formiert, die unter dem Begriff „Go West“ bekannt geworden ist. Dabei geht es um die Expansion der weißen amerikanischen Siedler in Richtung Pazifik, also Westen. Als Ziel wurde vorgegeben, die Ideale der Freiheit auf den gesamten Kontinent auszuweiten. Tatsächlich wurden die ansässigen Indianer-Stämme mehr oder weniger brutal verdrängt oder weitgehend ausgerottet. Als dann auch noch Gold gefunden wurde, der Wettlauf nach Goldschürfrechten begann und die Eisenbahn mehr und mehr Richtung Westen vordrang, wurde er zum glorreichen „Wilden Westen“. Immerhin ist der amerikanische Mythos der Eroberung des Wilden Westens für das wohl bekannteste Filmgenre der Welt verantwortlich: den Western. Im Mittelpunkt stehen heldenhaft-ruppige Cowboys und Sheriffs und ihre bösen Widersacher: Bank-, Eisenbahn- und Postkutschenräuber. Nach abenteuerlichen Pferde-Verfolgungsjagden durch die Prärie müssen am Ende Revolver und Fäuste die Gerechtigkeit wiederherstellen. Das Ganze wird dann kartenspielend im Saloon mit einem Whiskey begossen – und schon ist die Rahmenhandlung von 90 % aller klassischen Western beschrieben. Der erste Western kam 1903 ins Kino und hieß „Der große Eisenbahnraub“. Der erfolgreichste Western aller Zeiten ist „Der mit dem Wolf tanzt“, brachte über 400 Millionen Dollar ein und machte Kevin Costner weltberühmt. John Wayne, Charles Bronson und Henry Fonda sind andere Darsteller, deren Namen auf immer und ewig für ein ganzes Filmgenre stehen. Da Western-Filme weltweit Erfolg hatten, wurden auch Versionen in anderen Ländern produziert. Zum Beispiel die oft sogar noch dramatischeren Italo-Western – und natürlich Winnetou, die sehr deutsche Variante des amerikanischen Abenteuers: mit Uschi Glas als Winnetous Schwester, basierend auf den Büchern von Karl May, abgedreht in Kroatien. Bis heute werden immer wieder neue Western gedreht, dabei wird auch häufig experimentiert. So entstanden sehr heitere, wie die Filme mit Bud Spencer und Terence Hill – oder auch brutale, wie der sehr aktuelle Western „Django unchained“ von Quentin Tarantino – mit dem österreichischen Oscargewinner Christoph Waltz in der Hauptrolle.

 

wolke

Über dem Abendland herrscht der Westwind

Europa wird auch als „das Abendland“ bezeichnet, im Gegensatz zum Osten, dem Morgenland. Dieser Name ist entstanden, weil der Westen in Richtung Sonnenuntergang weist. Eine andere Tatsache, die mit dem Westen zu tun hat, ist aber für unseren Kontinent sehr entscheidend – der Westwind. Weite Teile von Europa liegen in der sogenannten Westwindzone, die sich vom 40. bis zum 60. Breitengrad erstreckt und von Winden geprägt ist, deren Strömung von West nach Ost verläuft. Für das Klima und die Fruchtbarkeit der Böden von (Mittel-)Europa ist das äußerst günstig, denn in der Westwindzone sind die Luftmassen weder extrem kalt noch besonders heiß – aber dafür relativ feucht. Über dem Atlantik werden die Luftmassen mit Feuchtigkeit angereichert, durch die Westströmung (Westdrift) kann sich dann nach und nach die Feuchtigkeit in Form von Regen über Europa entladen. Daher sind grundsätzlich westlichere Länder in Europa feuchter und von mehr Jahresniederschlag betroffen (oder gesegnet) als östliche Länder. Auch in Österreich ist das West-Ost- Gefälle bei den Jahres-Regenmengen deutlich zu erkennen. Regnet es etwa im Bregenzer Wald in Vorarlberg im Jahresdurchschnitt Wassermengen von 2800 Millimetern, so kommt etwa Retz im nördlichen Weinviertel auf magere 500 Millimeter. Ähnlich trocken geht es im östlichen Niederösterreich bei Hainburg zu – oder im Burgenland in Rechnitz oder Oberwart. Der starke Westwind hat aber auch auf den globalen Verkehr Auswirkungen. So können Flugzeuge, die sich auf dem Weg von Amerika über den Atlantik nach Europa befinden, ihre Flugzeit von West nach Ost um rund eine Stunde gegenüber dem Flug von Ost nach West verkürzen. Und auch die Wasserströmung im Meer macht Seereisen von West nach Ost um einiges schneller.

Und falls die nächste Reise in Richtung Westen aufgrund der starken Westdrift mühsam lang wird und kein Ende zu nehmen scheint, dann hilft möglicherweise der Disco-Song „ Go West“, den 1979 die Band „Village People“ komponiert hat. Oder vielleicht gleich die noch berühmtere (und schwungvollere) Cover-Version der Pet Shop Boys aus dem Jahr 1993.

 


 

 

 

 

Tipps zum Thema:

NUR FÜR HARTGESOTTENE

 

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Fünf legendäre Western, die man gesehen haben muss:

 

Spiel mir das Lied vom Tod
von Sergio Leone, 1968
mit Henry Fonda und Claudia Cardinale, beste Western-Filmmusik von Ennio Morricone

Die glorreichen Sieben
von John Sturge, 1960
mit Yul Brynner, Steve McQueen und Charles Bronson

High Noon
von Fred Zinneman, 1952
mit Grace Kelly und Gary Cooper

Für eine Handvoll Dollar
von Sergio Leone, 1964
mit Clint Eastwood und Marianne Koch

Die rechte und die linke Hand des Teufels
Westernparodie von Enzo Barboni, 1971
mit Terence Hill und Bud Spencer

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