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Wohnen ist nie selbstverständlich:
Die Geschichte des sozialen Wohnbaus

Mehr als 60 % der Wienerinnen und Wiener leben in geförderten Wohnungen oder Gemeindewohnungen. Wien ist mit rund 220.000 Gemeindewohnungen der größte Hausverwalter Europas – und beherbergt in 2.300 Gemeindebauten eine halbe Million Menschen. Sozialer Wohnbau ist ein effektives Werkzeug, um den Trend steigender Mietpreise zu dämpfen. Besonders dann, wenn jährlich rund 30.000 Menschen zuziehen. Ein kleiner Überblick über die Geschichte des gemeinnützigen Wohnbaus.

 

Als zu Beginn des 20. Jahrhunderts viele Zuwanderer aus den Kronländern der k.u.k. Monarchie nach Wien kamen, stieg in kürzester Zeit die Bevölkerungszahl drastisch an. Bereits 1910 zählte die Stadt über zwei Millionen Bewohner, von denen viele in elendigen oder überbelegten Quartieren hausten, da die Mieten für den begehrten Wohnraum schwindelerregend hoch waren. Zwar versuchte man schon früh mit Werkswohnungen und Wohnstiftungen die Situation zu entlasten, doch der Erste Weltkrieg bremste vorerst alle Bestrebungen.

Der Gemeindebau in der Ersten Republik

Nach 1918 trat die sozialdemokratische Regierung an, um die Lebens- und Wohnsituation der Arbeiterschaft zu verbessern und leistbaren Wohnraum zu schaffen. Dazu diente in Wien eine neu entwickelte Wohnbausteuer, deren Erlöse in den Bau kommunaler Wohnbauprojekte flossen. Und so wurde 1920 der erste Wiener Gemeindebau fertiggestellt – der Metzleinstalerhof am Margaretengürtel. Viele der klassischen Gemeindebauten wurden in den Folgejahren der Zwischenkriegszeit errichtet: etwa der Rabenhof im 3. Bezirk, der Victor-Adler-Hof im 10., der Sandleitenhof mit über 1.500 Wohnungen (er war damit der größte Gemeindebau Wiens) – oder der berühmte Karl-Marx-Hof, vom Architekten Karl Ehn geplant. Bis zum Zweiten Weltkrieg entstanden insgesamt rund 62.000 Wohnungen in 350 Wohnhausanlagen und 5.000 weitere Wohnungen in Reihenhaussiedlungen. Planerisch beliebt – und stilprägend – war die sogenannte Blockrandbebauung: ein großes Tor, ein begrünter Innenhof, von dem aus man zu den Stiegenhäusern gelangt. Aber auch die Versorgung mit Infrastruktur sollte im Gemeindebau gewährleistet sein – und so entstanden im Inneren ganze Ortskerne mit Bädern, Geschäften, Kindergärten, Wäschereien und Handwerksbetrieben.

Großprojekte, Nachverdichtung und neue Stadtteile

In der Nazizeit kam die Bautätigkeit nahezu zum Erliegen. Nach dem Krieg standen der Wiederaufbau und die Renovierung der Wohnbauten im Vordergrund – immerhin war jede sechste Wohnung zerstört. In den 1950er Jahren nahm der kommunale Wohnbau wieder Schwung auf – zum Beispiel mit den 1.000 Wohnungen der Per-Albin Hansson-Siedlung am Laaerberg. Als Großprojekte entstanden von 1960 bis 1980 die Großfeldsiedlung, Am Schöpfwerk und Alt-Erlaa, bis man sich in den Jahren danach mehr auf die Nachverdichtung und Sanierung konzentrierte. Neue Zuzüge aus den Nachbarländern und der Trend zu Single-Haushalten machen ab der Jahrtausendwende große Stadterweiterungsprojekte notwendig. Die Seestadt Aspern, das Sonnwendviertel oder der Nordbahnhof sind die aktuellsten Projekte des sozialen Wohnbaus. Das Ziel ist das gleiche geblieben: so schnell und effizient wie möglich hochwertigen Wohnraum bereitstellen und Mieten auf einem bezahlbaren Niveau belassen – trotz der erhöhten Nachfrage in einer lebendigen und wachsenden Stadt.

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