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Bilder der Zukunft – wie Wiens Museen modern werden

Das Klischee geht so: Museen sind Orte der Geschichte, in denen das Vergangene gesammelt und konserviert wird. Wenn man sie durchschreitet, knarrt der Parkettboden, und die Stimmung ist getragen bis gedämpft. Aber sind Museen nicht auch Startrampen für Inspirationen der Zukunft? Orte, die durch spannende Vermittlungsmethoden die Neugierde anregen und dazu motivieren, sich im wahrsten Sinne des Wortes über bestimmte Dinge schlau zu machen?

Wer hat angefangen?
Wenn wir schon bei Inspirationen sind, klären wir doch zunächst, woher das Wort „Museum“ eigentlich kommt. Wie so viele schöne Worte kommt es aus dem Altgriechischen. Museion war ein Heiligtum der Musen. Die waren ja immerhin die Schutzgöttinnen der Künste und können in dieser Hinsicht verlässlich als kompetent eingestuft werden. Das Museion von Alexandria wurde im dritten Jahrhundert v. Chr. gegründet und gilt als die bedeudendste Forschungseinrichtung der Antike. Dies war allerdings weniger eine öffentlich zugängliche Sammlung oder Ausstellung, sondern mehr eine Art Elfenbeinturm, in dem Gelehrte und Priester in einer Bibliothek so etwas wie eine Frühform von Forschung betrieben.
Das erste Museum der Welt war es nach heutiger Definition also eher nicht. Aber wo lässt sich dieses finden? Da sind sich selbst Museolog_innen nicht einig. Gottfried Fliedl ist einer von ihnen und hat sich in drei heiteren und erhellenden Blogbeiträgen auf die Suche gemacht. Um es kurz zu machen: Es ist kompliziert. Hier ein Versuch der Vereinfachung: Das British Museum – wohl jenes, das dem heutigen Verständnis von Museum am nächsten kam – beziffert sein Gründungsjahr mit 1759. Die Fachdiskussionen, ob das nun tatsächlich das erste Museum war, sind ausführlich und detailreich und sicher in einem Museumsmuseum irgendwo auf der Welt gesammelt.

Die ersten Museen in Wien
Also begeben wir uns auf sicheres und bekanntes Terrain. Beginnen wir mit der Frage: Wie war das eigentlich in Wien? Am Beginn standen hier die sogenannten kaiserlichen Sammlungen, die sich ab der Mitte des 18. Jahrhunderts eines ständigen Wachstums erfreuten. Es handelte sich einerseits um die Naturaliensammlung und andererseits um die umfangreiche Gemälde-, Münz- und Harnischsammlung der Habsburger. Den Auftrag zum Bau der Museen an der Ringstraße gab Kaiser Franz Josef im Jahr 1858 im Zuge der Stadterweiterung. Bis zur Eröffnung vergingen mehr als dreißig Jahre. Heute sind das Kunsthistorische Museum und das Naturhistorische Museum architektonische, wissenschaftliche und touristische Eckpfeiler der Hauptstadt und sorgen mit viel beachteten Ausstellungen immer wieder für positive Schlagzeilen.
Nur ein paar Schritte weiter findet sich mit dem MuseumsQuartier ein weiterer großer Museums-Wurf, der in Wien gelungen ist. Aus den ehemaligen k. u. k. Hofstallungen wurde zuerst der Messepalast und dann das 2001 eröffnete MuseumsQuartier. Das urban-vitale Areal weist eine Nutzfläche von insgesamt rund 90.000 m2 auf. Es beherbergt neun große Kultureinrichtungen wie zum Beispiel das mumok, das KunstHaus, das Leopold Museum und den Schaffensraum Q21 mit etwa 60 weiteren Initiativen, Festivals, Künstlergruppen und Kreativunternehmen, die unter anderem die Bereiche bildende Kunst, Literatur, Musik, Architektur, Design, Tanz, Theater, Performance, Mode und Kinderkultur abdecken. Der Nutzen als Begegnungsraum und Flanierzone macht das MuseumsQuartier weit über seine museale Funktion hinaus für Wien unverzichtbar.

Beteiligung und Digitalisierung
Machen wir ein paar Schritte in Richtung Ringstraße, und schauen wir uns das Naturhistorische Museum ein wenig genauer an: Hier finden sich unterschiedliche Wege in der Vermittlung von Wissenschaft und Kultur. Digitale Möglichkeiten werden integriert und die Beteiligung am Betrieb wird auch für Nichtwissenschafter_innen möglich. Im Rahmen von Citizen-Science-Projekten werden mit Hilfe der Community Materialien gesammelt und Erkenntnisse gewonnen. Ob beim Sammeln von Schnecken, beim Beobachten von Falken oder beim Bearbeiten der Sammlungsbestände des Museums – jede/jeder Interessierte hat die Möglichkeit, die Arbeit von Wissenschafter_innen zu unterstützen und so neues Wissen zu schaffen. Die Citizen Scientists formulieren dabei Forschungsfragen, melden Beobachtungen, führen Messungen durch, werten Daten aus und/oder verfassen Publikationen. Die Einhaltung wissenschaftlicher Kriterien ist Voraussetzung. Dies ermöglicht nicht nur neue wissenschaftliche Projekte und neue Erkenntnisse, sondern ermöglicht auch einen Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft, wie er sonst nicht oder nur sehr schwer möglich ist.
Digitalisierung findet auch in anderen Bereichen diverser Museen statt. Hier hat die Corona-Pandemie Schritte notwendig gemacht und Geplantes beschleunigt. Das Belvedere ist mit seinem Research Center schon länger gut auf die neuen Anforderungen vorbereitet: Dokumentation, Erschließung und Erforschung österreichischer Kunstproduktion im internationalen Kontext werden hier einfacher und globaler. Das Belvedere Research Center teilt die Prinzipien von OpenGLAM, einer Initiative von Kultureinrichtungen, denen freier, offener und vernetzter Zugang zu digitalisiertem kulturellem Erbe ein zentrales Anliegen ist. Den Benutzer_innen des Research Centers stehen sowohl Quellenmaterialien und Online-Datenbanken als auch die Kompetenz der Mitarbeiter_innen in Archiv, Bibliothek, Bildarchiv und digitalen Sammlungen zur Verfügung.
Das Museum für angewandte Kunst (MAK) bietet neben virtuellen Rundgängen durch das Haus auch einen Überblick über seine gesamte Sammlung sowie eine App mit Audiokommentaren, Videos und erweiterten Materialien um Kontexte besser zu verstehen. Außerdem finden sich auf der MAK-Website mit den „Games for change“ Online-Spiele zu wichtigen Themen der Gesellschaft wie Klimawandel und Digitalisierung. Diese Werkzeuge sind erste Schritte, die Museen auch in den kommenden Jahren und Jahrzehnten für ein digitalaffines Publikum attraktiv zu halten.

Relevante Wirkung ist das Ziel
Dafür seien auch noch andere Faktoren wichtig, meint Doris Rothauer. Die Autorin und Strategieberaterin erforscht in der Initiative „Cultural Impact“ gemeinsam mit Kulturschaffenden die Rolle von Kunst und Kultur in unserer Gesellschaft: „Dabei haben wir entdeckt, dass die Sinnfindung für den Kulturbereich eine ganz zentrale Sache ist“, meint Rothauer. Im Wettkampf um Besucher und Gelder seien Fragen der gesellschaftlichen Wirkung in den Hintergrund gedrängt worden. „Wir wollen herausfinden, was die Ursachen und Folgen davon sind, wie gesellschaftlich relevante und nachhaltige Wirkung entstehen kann“. Ziel sei es, Zugänge, Methoden und Tools aufzubereiten, welche die gesellschaftliche Wirkung von Museen und Kultureinrichtungen darstellbar machen. Erfahrungen und Entwicklungen ihrer Mission teilen Rothauer und ihre Kolleginnen Tina Trofer und Kerstin Hosa auf dem spannenden Blog culturalimpact.at. (Mehr dazu erfahren Sie in unserem Interview mit Doris Rothauer.)

Greta inspiriert auch Museen
Einen anderen zeitgemäßen Aspekt der Museumsarbeit hat das Wiener Volkskundemuseum in seinen Fokus gerückt: die Nachhaltigkeit. Mit der Bewegung „Museums for Future“ setzt man sich dort damit auseinander, wie Museen das Thema Umwelt- und Klimaschutz in ihre unterschiedlichen Arbeitsbereiche einbringen können. Egal ob Forschung, Ausstellungen, Gastronomie, Publikationen und Infrastruktur: Alles wird mitgedacht. Und so wurde man Teil der weltweiten Bewegung, die ihr Wissen und ihre Kompetenzen einbringt, um dem gemeinsamen großen Ziel näherzukommen: weniger Erderwärmung.

Als Kultur- und Wissenschaftsstadt ist Wien geradezu verpflichtet, eine lebendige Museumslandschaft zu haben. Die Kompetenz und die Leidenschaft, mit der sowohl Betreiber_innen als auch Besucher_innen bei der Sache sind, deutet darauf hin, dass diese Pf licht von allen Beteiligten mit viel Engagement zu einer beachtlichen Kür gemacht wird.

Inspirationen

Buch: Gebrauchsanweisung fürs Museum
Neuer Blick auf Alte Meister.
Wohin sollte man bei einem Bild als Erstes sehen? Wie wird ein Gemälde zum Klassiker? Der Autor verrät, was Bilder erzählen, wenn man sie aufmerksam genug betrachtet.
Gebrauchsanweisung fürs Museum, Piper Taschenbuch

Heimat von Klimt und Schiele
Das Leopold Museum beherbergt mit rund 6.000 Werken eine der weltweit bedeutendsten Sammlungen österreichischer Kunst der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und der Moderne. Klimt und Schiele sind hier quasi daheim.
Öffnungszeiten: Mi–So von 10 bis 18 Uhr
Museumsplatz 1, 1070 Wien

Albertina Modern
Die Albertina Modern öffnet im renovierten Künstlerhaus ihre Pforten. Die Einweihungsschau „The Beginning“ rollt die heimische Kunstgeschichte von 1945 bis 1980 so auf, wie sie zuvor noch nicht zu sehen war.
Öffnungszeiten: täglich von 10 bis 18 Uhr
Karlsplatz 5, 1010 Wien

Lust bekommen mitzuforschen?
Auf der Plattform Österreich forscht finden Sie aktuelle Citizen-Science-Projekte zum Mitmachen. Zum Beispiel beim Projekt Pilzfinder der Universität Wien, mit dem Sie durch Beobachten und Fotografieren aktiv zur Erhebung des Vorkommens und der Verbreitung von Pilzen beitragen können. Oder dem Projekt Roadkill der Universität für Bodenkultur Wien: In diesem Projekt wird es Ihnen ermöglicht an einem wissenschaftlichen Projekt zum Thema „Roadkill“ aktiv mitzuarbeiten. Es wird erhoben, welche Tiere auf Straßen zu Tode kommen und welche Gründe es dafür geben könnte. Mit Ihren Daten werden Hotspots identifiziert und es wird versucht diese Hotspots zu entschärfen. Beim Projekt NestCams der Uni Wien wird gemeinsam mit Citizen Scientists erforscht, warum es innerhalb einer Schar bzw. Kolonie Paare gibt, die bei der Brut und der Aufzucht der Jungtiere erfolgreich sind und welche, die keinen Erfolg haben – zur Teilnahme reicht hier ein Computer mit Internetzugang. Die Topothek ist eine Plattform zur Sicherung und Bereitstellung privater historischer Dokumente. In Namen der Gemeinde arbeiten die ehrenamtlichen Topothekarinnen und Topothekare, die digitalen Archivare, als Bindeglied zur Bevölkerung. Folgendes Video stellt Sinn und Ziele sowie die Träger und Akteure in Niederösterreich vor:

Wer sich über Citizen Science weiter schlau machen möchte, kann das über die Citizen Science Association machen. Diese Vereinigung bietet in Englisch regelmäßig Webinare zu speziellen Themen in Citizen Science an, welche von Experten in ihrem jeweiligen Feld sehr professionell durchgeführt werden.

Hier noch ein paar einführende Videos zu Citizen Science:

Foto: Emil Orlik | Galerie Kovacek Spiegelgasse, Wien

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