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Alles Gute zum Gute zum Geburtstag, Fahrrad!
200 JAHRE »Servas die Wadln«

Drais


Erstaunliche Gründe haben zur Erfindung des Fahrrads am Beginn des 19. Jahrhunderts
geführt. Seit damals hat es eine rasante Entwicklung durchgemacht: von der Draisine über das Hochrad zum Sicherheitsrad, Mountainbike, Rennrad und E-Bike. Fahrradfahren ist nicht nur Fortbewegung, sondern auch von Anfang an eine Lebenseinstellung – heute vor allem im urbanen Raum, wo sich Designverliebtheit mit ökologischen Motiven verbunden hat.

 

Wenn heute ein windschnittiger Radrennfahrer am Carbon-Bike an uns vorbeischnurrt, dann macht er das nur, weil der Haferpreis im Jahr 1812 enorm angestiegen ist. Diese Behauptung klingt so absurd, dass sie eigentlich nur wahr sein kann.
Und tatsächlich: Historiker bestätigen, dass es einen Zusammenhang zwischen Ernteausfällen am Beginn des 19. Jahrhunderts und der Erfindung des Zweirades gibt. Aber wie und warum? Schauen wir uns kurz an, wie das Fahrrad in die Welt gerollt kam.

 

Genial – und genial einfach: die Draisine

Der deutsche Forstlehrer Karl Drais aus Mannheim gilt als der eigentliche Erfinder des Zweirad-Prinzips. Nachdem eine Reihe von Missernten (1812 und speziell 1816) die Futtermittelpreise für Pferde ins Unerschwingliche trieb und auch ein Pferdesterben zur Folge hatte, dachte Drais über alternative Verkehrsund Transportmittel nach. Seine fixe Idee war, Pferdestärke durch menschliche Muskelkraft zu ersetzen – und er erfand schon 1813 die erste Fahrmaschine mit Tretmühle, die sich aber nicht durchsetzte. 1817 vereinfachte er sein Konzept und erfand die Laufmaschine, die er unter dem Namen „Vélocipède“ patentieren ließ. Übersetzt bedeutet das „schnelle Füße“ – und die brauchte man auch, denn die Draisine, wie sie später allgemein genannt wurde, musste man mit den Füßen am Boden – ganz ohne Pedale – vorantreiben. Die erste Ausfahrt führte ihn über 14 Kilometer durch Mannheim. Drais muss ganz schön fit gewesen sein, denn in nur knapp einer Stunde hatte er das klobige, 22 Kilo schwere Gerät aus Holz und Stahl ans Ziel gelenkt – und war damit schneller unterwegs als die Postkutsche. Der Startschuss zur weiteren Entwicklung des Vélocipèdes war getan – und er sollte in der meist gebauten Maschine der Welt, dem Fahrrad, enden. In Europa wurde der moderne Pferde-Ersatz zuerst begeistert angenommen. Schon bald ratterten an die 10.000 Draisinen über Kopfsteinpflaster und Gehwege der Städte. Erste Verbote wurden erlassen – in Mannheim, Mailand und London: den Behörden war die neue Fortbewegungsart nicht geheuer und sie schränkten sie rigoros ein. Aber erst mit der Erfindung der Eisenbahn kam die Draisine an ihr Ende.


Fahrräder einst …

Die ersten Zweiräder mit Pedalantrieb wurden ab den 1860er Jahren zeitgleich an mehreren Orten der Welt entwickelt. Probleme bereitete den Menschen das Balancieren des Rades, daher waren vorerst noch Fuß-Pedal-Kombinationen sehr beliebt. Auch die Rad- und Reifentechnik schritt voran: Schon 1868 erfand man Stahlspeichen, die die unpraktischen Holz- Stahlkonstruktionen ersetzten – und auch Vollgummi-Mäntel kamen erstmals zum Einsatz. Dadurch wurde die Konstruktion von den viel effizienteren Hochrädern erst ermöglicht. Hochräder waren zwar schnell, aber gefährlich, da man mit den Füßen nicht mehr leicht den Boden erreichen konnte – und der Schwerpunkt des Rades zu weit oben und zu weit vorne war. Das erste Niederrad, auch Sicherheitsrad genannt, wurde von der Firma Rover mit Kettenantrieb 1884 patentiert. Mit der Entwicklung des Luftreifens (Firma Dunlop, 1888), des Freilaufes (Firma Sachs, 1890) und vor allem der Kettenschaltung (1930) erlangten Fahrräder Aussehen und Funktion, wie wir es im Prinzip auch heute noch kennen. Allein bei den Fahrradtypen – je nach Mode und Anwendungsart – hat sich in den letzten 100 Jahren viel getan.

Hochrad


… und Fahrradtypen heute: unendliche Vielfalt

Rahmen, Räder, Schaltung und Bremsen: An diesen vier wichtigsten Komponenten kann man die technische Entwicklung der letzten Jahrzehnte am Fahrradsektor festmachen. Vom Holz- und Stahlrahmen über den Alurahmen zum federleichten Carbonrahmen, der in einem Ofen gebacken wird. Heute wiegt ein superleichter, hochwertiger Rennradrahmen nur mehr rund vier Kilo. Viele Rahmentypen sind darüber hinaus einfach oder doppelt gefedert. Die Reifen sind zum Teil speichenlos, können aus Plastikscheiben bestehen und haben integrierte Mantel-Schlauchsysteme. Leichtgängige Gangschaltungen mit bis zu 24 Übersetzungsmöglichkeiten bieten den richtigen Gang für alle Steigungen und Fitness-Levels – mittlerweile werden sogar Automatik-Getriebe eingesetzt. Und hydraulische Scheiben-Bremsen bieten Sicherheit und Wirkungsgrad von Bremssystemen schwerer Motorräder. All das hat dazu geführt, dass ein komplettes Radservice fast die Kosten einer Autojahresüberprüfung erreicht hat. Andererseits hat sich gerade in letzter Zeit eine Unzahl von verschiedenen Fahrradtypen herausgebildet, die sowohl sehr funktional sind als auch die Lebensgewohnheiten ihrer Besitzer widerspiegeln. Menschen rauschen mit Mountainbikes über Almen hinunter, trainieren mit Rennrad, Triathlon-Rad, Crosser und Fitness-Rädern für sportliche Höchstleistungen. Sie cruisen mit Dirt-Bikes, Lowrider und Fixies durch die Stadt und legen dabei auf ihr Aussehen Wert – oder sie erledigen ihre täglichen Wege mit City-Bikes, Falträdern, Hollandrädern und Lastenfahrrädern. Exzentriker überraschen ihre Mitmenschen mit Einrädern, Velomobilen und Liegerädern, für Kinder gibt es eigene Produktlinien – ebenso wie für körperlich eingeschränkte Menschen. Und mittlerweile verkaufen sich E-Bikes und Pedelecs so gut, dass u.a. auch Pensionisten und Hobbyradler zu wichtigen Zielgruppen der Hersteller geworden sind. Ja, sogar die Simulation des Fahrradfahrens hat sich zu einem eigenen Wirtschaftszweig entwickelt: vom klassischen Heimtrainer über das Ergometer bis zum Spinning-Rad, das sich mit dem Computer koppeln lässt und mit dem man sogar einzelne Etappen der Tour de France simulieren – und sich dabei so richtig professionell quälen kann.

Radfahrer


Radfahren als Lebenseinstellung, Rad als Statussymbol

Wie man sieht: Mit den jeweiligen technischen Neuerungen haben sich auch immer eigene Fahrradkulturen und Subkulturen herausgebildet, die für gewisse Lebenseinstellungen stehen. Schon im 19. Jahrhundert war Radfahren europaweit in der Arbeiterklasse sehr in Mode. Victor Adler, der legendäre Arbeiterführer etwa, war ein begeisterter Radfahrer und Präsident eines der ersten Radfahrerclubs. Hoch am Sattel auf einem Pferdeersatz zu sitzen (Stichwort: Pedalritter), versprach Unabhängigkeit und wurde als Signal gegen die herrschende Klasse verstanden. Genauso wie Frauen sich gegen Widerstände der Kirche (und oft auch ihrer Männer) aufs Rad schwangen und dabei den Hosenrock als bequeme – und damals frech-aufmüpfige – Sportmode etablierten. Mit dem Aufkommen der Autos verschwand das Rad fast vollständig aus den Städten. Erst in den 1980er Jahren erlebte es auch aus Umweltschutzgründen ein Revival – und damit wurde auch die aktive Mobilität zum Trend. Szenen rund um Fahrradkurierdienste und Selbstreparaturgruppen haben sich gebildet und machen als Cycle-Chic-Bewegung auch im Styling von sich reden. Hippster mit Bärten, Tattoos und Kappen bewegen sich auf stylischen Fixies (edle, formschöne Räder mit einer fixen Verbindung zwischen Kette und Nabe) durch die Stadt. In diesen Gruppen ist es geradezu verpönt, mit Sport-Funktionskleidung radelnd unterwegs zu sein – ganz im Gegenteil wird auf gute Markenkleidung und Retro-Chic Wert gelegt. Eine andere Form der Lebenseinstellung ist natürlich das gesunde Leben. Und unter körperbewussten Menschen rangiert das Fahrrad als Fortbewegungsmittel ganz oben – egal ob im Alltag oder als Sportgerät. Fahrradfahren stärkt das Herzkreislauf- und das Immunsystem, es schont – im Gegensatz zum Laufen – den Bewegungsapparat, da das eigene Körpergewicht am Gerät ruht und nicht immer wieder abgefedert werden muss. Speziell Menschen mit Kniebeschwerden steigen gern aufs Fahrrad um, wenn sie sich schonend fit halten oder abnehmen möchten. Und neben allen ökologischen Argumenten pro Bike macht Fahrradfahren vor allem eines – nämlich Spaß. An dieser Stelle ein ausdrückliches Dankeschön dem Hafer-Engpass!

 

 

 

 

Tipps zum Thema:

WIEN PER RAD
Radwegplan, Infos und Tipps

WienRad
Ob Radsportler oder Alltagsradler: Wer mit dem Rad in Wien gut unterwegs sein will, sollte einen Blick auf www.fahrradwien.at riskieren. Das Rad-Informationsportal der Mobilitätsagentur Wien listet alle wichtigen Termine auf, beinhaltet einen Routenplaner und einen Radwegplan mit Citybike-Stationen, Fahrradverleih-Stellen, Trinkbrunnen und Radgeschäften. Darüberhinaus informiert die Seite über allerlei Interessantes und Praktisches für den urbanen Radfahrer. Auch empfehlenswert: die Website der Radlobby Österreich unter www.radlobby.at


 

BUCHTIPP
Motor bin ich selbst

Fahrradfahren in Wien war ein Vergnügen für Adel und Arbeiter, für Sportler und Berufsradler. Der 2013 erschienene Band „Motor bin ich selbst. 200 Jahre Radfahren in Wien“ beleuchtet historische und aktuelle Aspekte des Radverkehrs in Wien. Zusätzlich punktet die Publikation mit seltenen Rad-Bildern aus der Plakatsammlung der Wienbibliothek.

Motor bin ich selbst. 200 Jahre Radfahren in Wien
Herausgegeben von Bernhard Hachleitner, Matthias Marschik,
Rudolf Müllner und Michael Zappe
Metro-Verlag 2013, EUR 25,–


 

SONDER-AUSSTELLUNG
200 Jahre Fahrrad

Einen Abstecher nach Retz ist das dortige Fahrradmuseum auf jeden Fall wert. Zu sehen gibt es ein Laufrad, ein Tretkurbelrad und diverse Hoch- bzw. Niederräder – und zusätzlich bis Ende Oktober eine umfangreiche Sonderausstellung aus Anlass des 200-jährigen Rad-Jubiläums.

Fahrradmuseum Retz des Vereins „’s Fahrradl im Schloss“
Schlossplatz 5, 2070 Retz
Geöffnet bis Ende Oktober, täglich 14.00–17.00 Uhr
Tel.: 0664/643 17 91
www.fahrradmuseum.at


 

RADLERCAFÉ
Radlager
Liebhaber von stylischen Retrobikes radeln gern ins Wiener
Radlager – und widmen sich dort bei Kaffee und Kuchen
ihren Objekten der Begierde. Für den Herbst ist auch eine
Sonderschau geplant.

Radlager Colosseo, Operngasse 28, 1040 Wien
Mo–Mi: 8.00–22.00 Uhr, Do und Fr: 8.00–0.00 Uhr,
Sa: 10.00–0.00 Uhr, So: 10.00–18.00 Uhr
Tel.: 01/581 16 76
www.radlager.at

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